Angriff auch gleich auf die Mauer. Ein kleines Häuflein der
peloponnesischen Besatzung hielt anfangs tapfer stand, und
einige davon blieben auf dem Platze. Die meisten aber er
griffen die Flucht, erschreckt durch den nächtlichen Überfall der
Feinde, zumal sie auch die Verräter auS Megara sich gegenüber
sahen und glaubten, ganz Megara hätte sie verraten. Oben
drein hatte der Herold der Athener zufällig auf eigene Hand
ausgerufen, alle Megarer könnten, wenn sie wollten, unter
Waffen zu den Athenern übertreten. Als sie dies hörten,
hielten sie nicht länger stand, sondern flohen nach Nisaia in
der Meinung, es in der Tat mit beiden zu tun zu haben. Früh
morgens, als die Mauer bereits genommen und in der Stadt
Megara Lärm geschlagen war, verlangten die dortigen An
hänger der Athener und andere ihrer zahlreichen Gesinnungs
genossen, man solle das Stadttor öffnen und gegen den Feind
marschieren. Sie hatten nämlich verabredet, sobald das Tor
geöffnet würde, sollten die Athener eindringen, sie selbst aber,
um kenntlich zu sein, sich zur Sicherheit mit Hl einshcmieren.
Auch konnten sie jetzt um so unbedenklicher das Tor öffnen lassen,
da inzwischen der Verabredung gemäß viertausend athenische
Hopliten und sechshundert Reiter nach einem Nachtmarsch von
Eleusis eingetroffen waren. Als sie sich schon eingeschmiert
und ans Tor begeben hatten, verriet jedoch einer der Mit
wissenden den übrigen, was im Werke war. Nun rotteten die
sich zusammen und erklärten, habe man schon früher nicht ge
wagt, gegen den Feind zu marshcieren, wo man dazu weit eher
imstande gewesen, so dürfe man das auch jetzt nicht tun und
die Stadt nicht offenbarer Gefahr aussetzen. Wem das nicht
recht sei, der möge nur gleich hier vom Leder ziehen. Sie
aber ließen sich nicht merken, daß sie um die Verabredungen
wußten, sondern versicherten, sie hätten nur das Beste gewollt,
und blieben selbst mit auf Wache am Tore, so daß die Ver
räter ihren Zweck nicht erreichten.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.