geführt und hingerichtet, ohne daß die Leute in dem Gebäude
davon wußten; denn sie glaubten, sie würden nur abgeführt,
um anderSwo untergebracht zu werden. Als man es ihnen
dann aber hinterbrachte und sie die Wahrheit erfuhren, riefen
sie die Athener an und baten, wenn es denn sein solle, so
möchten sie ihnen wenigstens selbst den GarauS machen. Aus
dem Gebäude gingen sie nicht und würden auch, so viel an
ihnen sei, niemand hereinlassen. Die Kerkyräer gaben sich
auch nicht lange damit ab, die Türen zu sprengen, sondern
stiegen auf daS Dach, deckten eS ab, warfen ihnen Ziegel auf
die Köpfe und beschossen sie von oben mit Pfeilen. Sie
suchten sich dagegen so gut wie möglich zu schützen, die meisten
aber nahmen sich gleich selbst das Leben, stießen sich die Pfeile,
die man auf sie herabgeschossen, in die Kehle oder erhängten
sich an Gurten aus einigen dort befindlichen Bettstellen oder
an Schnüren, die sie aus ihren Kleidern gedreht hatten. Fast
die ganze Nacht, die darüber hereingebrochen war, dauerte
das Morden. Einer nach dem anderen brachte sich um oder
wurde von oben getroffen, bis sie alle tot waren. Als es
Tag geworden, warfen die Kerkyräer die Leichen über Kreuz
auf Wagen und fuhren sie aus der Stadt. Die Weiber aber,
welche ihnen in der Burg in die Hände gefallen waren, ver
kauften sie in die Sklaverei. Auf diese Weise wurden die
Kerkyräer vom Berge durch die Volkspartei abgetan, und die
langen Parteikämpfe hatten damit, wenigstens für die Dauer
dieses Krieges, ein Ende; denn was von der Gegenpartei
noch übrig war, hatte nichts mehr zu bedeuten. Die Athener
aber fuhren mit ihren Schiffen weiter nach Sizilien, wohin
sie ja von vornherein bestimmt waren, um sich dort an den
Kämpfen ihrer Bundesgenossen zu beteiligen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.