beiznlegen, und bieten euch Frieden, Bündnis und Herstellung
freundschaftlicher Beziehungen an, verlangen dafür aber ihrer
seits die Herausgabe der Leute von der Insel in der Meinung,
daß es für beide Teile besser sei, es nicht darauf ankommen
zu lassen, ob sie sich vielleicht noch glücklich durchschlagen oder
nach Eroberung der Insel vollends in eure Hände fallen
würden. Nach unserer Überzeugung lassen sich große Feind
schaften auf die Dauer nicht dadurch beilegen, daß man den
Gegner nach einem siegreichen Kriege zur Annahme eines un
billigen Friedens zwingt, sondern weit eher dadurch, daß man
ihn womöglich noch durch Edelmut besiegt und ihm günstigere
Bedingungen gewährt, als er selbst mal erwartet. Denn dann
hat er keine ihm angetane Schmach zu rächen, sondern die
Pflicht, sich auch seinerseits edelmütig zu zeigen, und schon
anstandshalber wird er sich alsdann um so eher bei dem
Frieden beruhigen. Und dazu sind die Menschen um so eher
geneigt, wenn es sich bei einem Kriege um große Gegensätze
und nicht um bloße Kleinigkeiten gehandelt hat. Kommt man
ihnen bereitwillig entgegen, so sind sie natürlich auch ihrerseits
zum Nachgeben bereit, mit dem Hochmut aber reizt es sie,
selbst gegen bessere Einsicht den Kampf zu wagen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.