Hinsicht sein würde, wolltet ihr mit Kleon gehen. Jetzt hält
es das Volk in den Städten überall mit euch. Kommt eS zu
einem Abfall der herrschenden Minderheit, so beteiligt es sich
daran entweder überhaupt nicht oder verharrt doch, wenn es
dazu gezwungen wird, ihr gegenüber in einer ausgesprochen
feindlichen Stellung. Kommt es dann zum Kriege gegen die
aufständische Stadt, so habt ihr das Volk auf eurer Seite.
Laßt ihr jetzt in Mytilene das ganze Volk hinrichten, das an
dem Abfall nicht teilgenommen und, nachdem man ihm die
Waffen gegeben, euch sogar freiwillig die Tore geöffnet hat,
so begeht ihr einmal schweres Unrecht, indem ihr eure Wohl
täter tötet, und tut außerdem grade den Aristokraten aller-
orten den größten Gefallen. Denn wenn sie künftig eine
Stadt zum Abfall bringen wollen, wird das Volk gleich gemein
schaftliche Sache mit ihnen machen, da es im voraus weiß,
daß ihr den Unschuldigen wie den Schuldigen bestrafen werdet.
Aber selbst, wenn es sich wirklich mitschuldig gemacht hätte,
müßten wir die Augen davor verschließen, um es mit der ein
zigen Partei, die es mit uns hält, nicht auch noch zu verderben.
Überhaupt ist es für die Behauptung unserer Herrschaft meiner
Meinung nach weit ersprießlicher, unter Umständen einmal ein
Unrecht hinzunehmen, als Städte zu vernichten, die wir, selbst
wenn wir das Recht dazu hätten, nicht vernichten dürfen.
Und wenn Kleon meint, nicht nur das Recht, sondern auch
die Zweckmäßigkeit erfordere eine solche Strafe, so ist mir un
erfindlich, wie es möglich wäre, hier beides miteinander zu
vereinigen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.