zu ihrem Ausfall eine mondlose, nasse und stürmische Nacht ab,
bei dem dann die Männer, welche den Plan angegeben, auch
die Führung übernahmen. Zuerst durchschritten sie den Graben,
der um die Stadt ging; darauf gelangten sie an die Mauer
der Feinde, ohne von den Wachen bemerkt zu werden, die sie
im Dunkeln nicht sehen und das Geräusch ihrer Tritte nicht
hören konnten, da der Wind gegen den Schall war. Auch
gingen sie in größeren Abständen voneinander, um durch das
Zusammenstoßen ihrer Waffen keine Aufmerksamkeit zu erregen.
Dabei trugen sie bloß leichte Rüstung und nur auf dem linken
Fuße einen Schuh, um im Kot sicherer zutreten zu können.
Zum Aufstieg auf die Mauer wählten sie eine Stelle zwischen
zwei Türmen, weil sie wußten, daß die Zinnen unbesetzt waren.
Die Leiterträger gingen voran und setzten ihre Leitern an.
Dann stiegen zwölf Leichtbewaffnete, nur mit Dolch und Brust
harnisch, hinauf, und Ammeas, Koroibos' Sohn, der sie an
führte, war der erste auf der Mauer. Oben angekommen,
wandten sich je sechs gegen einen der beiden Türme. Nach
ihnen kamen andere Leichtbewaffnete mit kurzen Spießen, denen,
damit sie leichter hinaufkämen, ihre Schilde von anderen nach
getragen wurden, um sie ihnen erst zu geben, wenn es zum
Kampf käme. Als schon eine größere Anzahl oben war, wurden
die Wachen auf den Türmen es gewahr. Ein Platäer, der
sich an einer Zinne halten wollte, riß nämlich dabei einen
Backstein los, der mit Geräusch hinunterfiel. Nun wurde Lärm
geschlagen, und die ganze Mannschaft rückte auf die Mauer,
wußte aber in der sinsteren stürmischen Nacht immer noch
nicht, was wirklich los war. Obendrein machten die in der
Stadt gebliebenen Platäer in entgegengesetzter Richtung, wie
ihre tapferen Landsleute abziehen wollten, einen Ausfall gegen
die Mauer der Peloponnesier, um die Aufmerksamkeit der
Feinde von ihnen abzulenken. Diese aber blieben in ihrer
Bestürzung da, wo sie waren, wußten nicht, was sie aus der
Sache machen sollten, und niemand getraute sich, seinen Posten
zu verlassen, um anderen zu Hilfe zu kommen. Die für Not
fälle bereitgehalteuen Dreihundert rückten außerhalb der Mauer
dorthin, wo Lärm geschlagen wurde, und auf der Seite nach
Theben zu zündete man Lärmfeuer an. Die Platäer in der
Stadt aber zündeten auf der Stadtmauer auch eine Menge
Feuer an, worauf sie sich schon vorher eingerichtet hatten, um
die Feinde irrezumachen und in den Glauben zu versetzen, es
hätte etwas anderes zu bedeuten, damit sie nicht herüberkämen,
bevor ihre abziehenden Landsleute glücklich durch und in Sicher
heit wären.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.