feindlichen Schiffe beständig und ließen ihnen keine Luft, indem
sie so nahe an sie heranruderten, als wäre es jeden Augen
blick auf einen Stoß abgesehen. Sie hatten jedoch von Phormion
Befehl, nicht eher anzugreifen, als bis er selbst das Zeichen
dazu gäbe. Er hoffte nämlich, die Feinde würden ihre Stellung
nicht wie ein Heer zu Lande behaupten können, sondern ihre
Kriegsschiffe würden zusammenstoßen und durch die übrigen
Fahrzeuge vollends in Verwirrung geraten, und wenn sich
dann wie gewöhnlich bei Tagesanbruch der Golfwind aufmachte,
auf den er eben wartete, im nächsten Augenblick auseinander
getrieben werden. Bei der größeren Schnelligkeit seiner Schiffe
aber glaubte er es in der Hand zu haben, wann er sie an
greifen wollte, und daß sich dazu grade um die Zeit die beste
Gelegenheit bieten würde. Als sich nun jener Wind wirklich
aufmachte, gerieten die ohnehin schon eng zusammengedrängten
Schiffe unter dem Druck des Windes und der übrigen Fahrzeuge
in Verwirrung, stießen zusammen und mußten mit Staken von
einandergeschoben werden. Bei dem unaufhörlichen Rufen:
„In acht nehmen!", dem Schreien und Schimpfen hörte man
weder die Befehle noch den Taktmeister, und da die ungeübte
Mannschaft bei dem lebhaften Seegange die Ruder nicht regieren
konnte, wollten die Schiffe dem Steuer nicht mehr gehorchen.
In diesem Augenblick gab Phormion das Zeichen, und die Athener .
griffen an, bohrten zuerst eins der feindlichen Flaggschiffe in
den Grund und setzten dann auch alle übrigen, die ihnen vor
kamen, außer Gefecht, so daß die Gegner in der eingetretenen
Verwirrung jeden Widerstand aufgaben und nach Paträ und
Dyme in Achaia flüchteten. Die Athener eroberten auf der
Verfolgung noch zwölf Schiffe, deren Mannschaft sie größten
teils an Bord nahmen, und fuhren darauf nach Molykreion.
Nachdem sie hier am Vorgebirge Rhion ein Siegeszeichen er
richtet und dem Poseidon ein Schiff geweiht hatten, kehrten
sie nach Naupaktos zurück. Die Peloponnesier aber fuhren
gleich nahcher mit dem Reste ihrer Schiffe von Dyme und
Paträ an der Küste entlang nach Kyllene, der Hafenstadt in
Elis, wo Knemos nach dem Gefechte bei Stratos mit den
Schiffen, die sich mit jenen hatten vereinigen sollen, von Leukas
ebenfalls eintraf.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.