eingegangen. Ich wollte euch zeigen, daß für uns denn doch
andere Dinge auf dem Spiel stehen als für Leute, bei denen
es dergleichen wie hier bei uns nicht gibt, und dadurch zugleich
das Verdienst der Männer, denen ich die Grabrede halte, um
so Heller ins Licht setzen. Auch ist damit das Beste zu ihrem
Ruhm bereits gesagt. Denn alles, was ich zum Ruhm der
Stadt gesagt habe, verdankt sie eben der Tüchtigkeit dieser
Männer und solcher Helden wie sie, und in ganz Griechenland
wird man das nicht von allzuvielen, so wie von ihnen, ohne
Übertreibung rühmen können. Ich meine, ein Tod wie ihrer
beweist unter allen Umständen die Tüchtigkeit eines Mannes,
mag er sie damit zum erstenmal bewähren oder vollends be
siegeln. Selbst dem Taugenichts kommt es zugute, wenn er
schließlich sein Leben auf dem Schlachtfelde fürs Vaterland
einsetzt; denn durch solche Tapferkeit hat er seine Fehler be
deckt und dem Gemeinwesen mehr genützt als durch sein früheres
Lotterleben geschadet. Hier unter diesen Tapferen war keiner,
der sich in Überfluß und Genußsucht verweichlicht oder in der
Hoffnung, aus einem armen Schelm dermaleint snoch ein reicher
Mann zu werden, lange besonnen hätte, der Gefahr ins An
gesicht zu sehen. Sie alle hatten kein größeres Verlangen, als
gegen den Landesfeind zu kämpfen, kannten keinen schöneren
Tod als den fürs Vaterland und, ohne ihr Leben im Kampfe
gegen die Feinde zu wagen, hatten auch andere Güter in ihren
Augen keinen Wert. Während sie auf den Sieg, den immer
ungewissen, nur hoffen konnten, gingen sie im Vertrauen auf
ihre eigene Kraft in den Kampf. Und indem sie lieber tapfer
kämpfen und sterben, als durch feige Flucht ihr Leben retten
wollten, haben sie ihren Heldenmut durch die Tat bewiesen
und brauchen keine Lästerzunge zu fürchten. So sind sie in
kurzer Schicksalsstunde, vom höchsten Ruhmesglanz umstrahlt,
den Heldentod gestorben.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.