in kurzer Zeit wiederherzustellen. Noch jetzt sieht man dem
Bau die Eile an, mit der er ausgeführt wurde. Der Unter
kau besteht aus Steinen aller Art, wie und wo sie grade zu
haben gewesen waren. Zahlreiche Grabsteine und halbfertige
Gildwerke wurden mit eingemauert, und da der Umfang der
Stadt allenthalben erweitert wurde, schleppte man, was irgend
brauchhax war, von allen Seiten zusammen. Auch setzte Themi
stokles jetzt durch, daß die Bauten im Peiraieus wieder auf
genommen wurden, womit schon im Jahre seines Archontats
der Anfang gemacht worden war. Denn nach seiner Ansicht
bot der Ort mit seinen drei natürlichen Häfen den Athenern,
nachdem sie sich auf die See geworfen, zu weiterer Entwick
lung ihrer Macht die beste Gelegenheit. Er zuerst hatte den
großen Gedanken gefaßt, ihren Blick auf die See zu lenken,
und so hatte er auch den Beginn jener Bauten gleich selbst
mit in die Hand genommen. Auf seinen Rat machte man
die Mauer um den Peiraieus so dick, wie es jetzt noch zu sehen
ist, so daß zwei Wagen, welche Steine herauffuhren und sich
darauf begegneten, einander ausweichen konnten. Inwendig
war weder Kalk noch Mörtel. Mächtige Steine, an den
Schnittflächen winkelrecht behauen, wurden aufeinander ge
packt und auf der Außenseite durch eiserne Klammern und Blei
verbunden. Fertig freilich wurde sie nur halb so hoch, wie
sie nach seiner Absicht werden sollte. Er wollte sie nämlich
hoch und dick genug machen, um beim Feinde den Gedanken
an einen Angriff auf die Mauer gar nicht aufkommen zu
lassen, indem seiner Meinung nach dann schon wenige, ja selbst
Invaliden zu ihrer Bewachung genügen, alle übrigen aber auf
der Flotte verwendbar sein würden. Denn die Flotte lag
ihm immer zuerst am Herzen, und doch wohl deshalb, weil
er sich sagte, daß es für ein persisches Heer leichter sein würde,
zur See nach Griechenland zu kommen als zu Lande. Darum
war auch in seinen Augen der Peiraieus wichtiger als die
obere Stadt, und immer wieder empfahl er den Athenern, sich
im Fall einer Niederlage zu Lande dahin zurückzuziehen, um
von dort auf ihren Schiffen einer Welt in Waffen Trotz zu
bieten. So befestigten die Athener gleich nach dem Abzüge
der Perser ihre Stadt und richteten sich auch sonst für alle
Fälle ein.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.