genossen zu streiten, sondern um die uns von unserer Stadt
aufgetragenen Geschäfte zu erledigen; da wir jedoch von schweren
Vorwürfen hören, die hier gegen uns erhoben werden, so treten
auch wir hier auf, nicht um uns gegen die Beschuldigungen
der Städte zu verteidigen - wärt ihr ja auch nicht die Richter,
um zwischen uns und ihnen zu entscheiden -, sondern damit
ihr euch in dieser ernsten Sache nicht etwa in blindem Ver
trauen auf die Behauptungen eurer Bundesgenossen zu törichten
Beschlüssen verleiten laßt; zugleich wollen wir alle den Schwätzern,
die uns hier was am Zeuge flicken wollen, das Maul stopfen
und euch beweisen, daß wir alle unsere Besitzungen redlich er
worben haben und daß mit unserer Stadt denn doch nicht zu
spaßen ist. Wozu von alten Zeiten reden, von denen man hier
höchstens noch von Hörensagen, aber nicht mehr aus eigener
Anschauung weiß. Dagegen können wir nicht umhin, von den
Perserkriegen zu reden, die ihr selbst noch miterlebt habt,
wenn ihr es auch wohl nachgrabe überdrüssig seid, sie euch
immer wieder vorrücken zu lassen; denn damals haben wir unsere
Haut fürs gemeine Beste zu Markte getragen, und da auch
euch das mit zugute gekommen ist, werdet ihr uns schon ge
statten müssen, darauf jetzt, soweit es im Interesse der Sache
liegt, mit einigen Worten zurückzukommen. Es geschieht das
nicht, um uns weiß zu waschen, sondern um euch einen Be
griff davon zu geben, mit wem ihr es zu tun haben werdet,
wenn ihr einen unüberlegten Beschluß faßt. Wir rühmen uns,
bei Marathon allein gegen die Perser für Griechenland in die
Bresche getreten zu sein, und dann, als sie zum zweiten Male
kamen und wir uns ihrer zu Lande nicht erwehren konnten,
mit Weib und Kind die Schiffe bestiegen und in der Schlacht
bei Salamis mitgekämpft zu haben. Das allein aber hinderte
sie, mit ihrer Flotte nach dem Peloponnes zu fahren und dort
eine Stadt nach der anderen zu verwüsten. Denn bei der
Größe ihrer Flotte wärt ihr alle miteinander nicht imstande
gewesen, euch gegen sie zu wehren. Der beste Beweis ist der
Perserkönig selbst, der sich nach der Niederlage seiner Flotte
uns nicht mehr für gewachsen hielt und mit dem größten Teile
seines Heeres schleunigst den Rückzug antrat.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.