Krieg zu führen. Wir können ihnen ihre Bundesgenossen ab
s wendig machen und sie dadurch ihrer Einkünfte, der Haupt
stütze ihrer Macht, berauben, können Trutzwerke gegen ihr Land
anlegen und manches andere, was sich im einzelnen im voraus
nicht übersehen läßt. Denn ein Krieg verläuft nicht nach
einem ihm vorgeshcriebenen Schema, sondern hat seinen eigenen
Kopf und gestaltet sich, wie es die Umstände mit sich bringen,
und wer die kaltblütig zu benutzen weiß, geht sicher, so gewiß
man stolpert, wenn man unbesonnen und hastig zuführt. Ja,
wenn es sich für uns um einen bloßen Grenzkrieg dieses oder
jenes Bundesstaats mit einem gleich mächtigen Gegner han
delte, so wäre das zu tragen; die Athener aber sind uns allen
zusammen gewachsen, jedenfalls weit mächtiger als jeder ein
zelne von uns. Wenn wir also nicht allesamt, Volk für Volk
und Stadt für Stadt, einmütig den Kampf gegen sie auf
nehmen, so werden sie uns einzeln ohne sonderliche Mühe über
wältigen. Eine Niederlage aber, darüber dürfen wir uns nicht
täuschen, würde für uns, so schrecklich es klingt, denn doch
nichts anderes als Knechtschaft zur unmittelbaren Folge haben.
Von einer solchen Möglichkeit aber auch nur zu reden, wäre
eine Schmach für den Peloponnes, eine Schmach, es auch «ur
für möglich zu halten, daß so viel Städte sich von einer Stadt
mißhandeln lassen sollten. Man müßte dann glauben, daß
wir es eben nicht besser verdient hätten, oder daß wir zu feige
wären, uns zu wehren. Mit Fingern würde man auf uns
weisen als die schwächlichen Söhne unserer Väter. Die haben
Griechenland befreit, und wir sind nicht Manns genug, auch
nur mal unsere eigene Freiheit zu behaupten, und während
wir die Tyrannis in den einzelnen Städten grundsätzlich nicht
dulden, lassen wir die eine Stadt sich in Griechenland zum
Herrn aufwerfen. Leider sind dabei drei schwere Fehler mit
im Spiel gewesen: Unverstand, Schwäche und Gleichgültigkeit.
Denn dadurch seid ihr in jenen verderblichen Hochmut, mit
anderen Worten grade jenen Kleinmut verfallen, an dem
schon so mancher zugrunde gegangen ist.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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