dämonier wenigstens nicht mehr der Unlust zum Kriege zeihen,
da sie ihn selbst beschlossen und auch unS zu dem Zweck hierher
entboten haben. Es gehört sich auch für die Vormacht des
Bundes, nicht nur ihre eigenen Interessen, sondern grade
auch die der Gesamtheit wahrzunehmen, wie sie ja auch in
anderen Dingen ihre Ehrenvorzüge genießt. Uns alle, die
wir mit den Athenern schon zu tun gehabt haben, braucht
man nicht erst zu belehren, wie man sich vor ihnen in. acht
nehmen muß; alle die aber, welche weitab von der See im
Binnenlande wohnen, mögen bedenken, daß ihnen die Ausfuhr
ihrer Erzeugnisse und die auch dem Oberlande unentbehrliche
Einfuhr von der See erheblich erschwert werden wird, wenn,
sie den Seestädten jetzt nicht beistehen. Nichts wäre verkehrter,
als zu glauben, die Sache ginge sie nichts an. Sie dürfen
nicht daran zweifeln, daß auch sie über kurz oder lang an die
Reihe kommen, wenn sie die Seestädte im Stich lassen, und
daß eS sich hier auch jetzt schon um ihre Angelegenheiten han
delt. Also, nichts mehr von Frieden, sondern mutig alle in
den Krieg! Gewiß tut jeder wohl, Frieden zu halten, so
lange man ihn in Ruhe läßt; aber nur der Feige will Frieden
um jeden Preis und schreckt vor dem Kriege auch dann noch
zurück, wenn man in seine Rechte eingreift. Auch der Tapfere
bietet die Hand zum Frieden, wenn ihm sein Recht wird, er
überhebt sich auch in einem glücklichen Kriege nicht, läßt sich
aber um des lieben Friedens willen kein Unrecht gefallen.
Denn wer den Krieg meidet, um nicht in seiner Ruhe gestört
zu werden, wird sich der Ruhe, die er sich davon verspricht,
nicht lange erfreuen; und wer in einem glücklichen Kriege zu
hoch hinaus will, bedenkt nicht, wie leicht er sich dabei ver
rechnen kann. Zwar ist mitunter wohl auch mal ein schlechter
Plan geglückt, weil der Gegner seine Sache noch schlechter
machte; weit öfter aber sind auch anscheinend wohlberechnete
Unternehmungen trotzdem elend abgelaufen. Denn nicht alles,
was man sich vornimmt und zutraut, führt man auch gleich
aus. Zu Hause, in Sicherheit, ist jeder ein Held; draußen in
der Gefahr aber gibt mancher klein bei.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.