habe — eine sehr große Stadt vertritt, die eher angreifend, als
vertheidigend verfahren könnte, bin doch in Voraussicht jener Gefahren
zu Zugeständnissen bereit und denke nicht, man solle seinen Feinden
so weh thun, daß man selbst den größten Schaden dabei hat, noch
auch bin ich so thöricht und rechthaberisch, zu glauben, daß ich über
das Glück, dessen ich doch nicht Herr bin, ebenso frei und nach
Willkür verfügen kann, wie über meine eigenen Absichten, sondern daß ich
nachzugeben habe, so weit es billig ist; und auch von euch Andern
verlange ich, daß ihr dasselbe thut und euch lieber unter einander
nachgiebig zeigt, ehe ihr gezwungen werdet, es dem gemeinsamen Feinde
gegenüber zu thun. Denn es ist durchaus nichts Schimpfliches, wenn
Stammverwandte sich gegen einander friedwillig zeigen, Dorier gegen
Dorier und Chalkidier gegen Chalkidier. Sind wir doch Alle
Nachbarn, Bewohner Eines Landes, das überdieß noch ringsum durch das
Meer abgeschlossen ist, und Alle tragen wir denselben Namen
Sikelioten. Wir werden deßhalb auch in der Zukunft noch manchen
Krieg führen, wenn Ursache vorhanden ist, und uns auch wieder
versöhnen, nachdem wir unter uns gemeinsame Berathung gepflogen;
gegen eindringende Fremde aber werden wir immer, wenn wir klug
sind, zur Abwehr vereint zusammenstehen; denn der Schaden, welcher
den Einzelnen treffen würde, bringt uns Allen Gefahr. Fremde
Bundesgenossen oder Vermittler unserer Streitigkeiten aber wollen wir in
Zukunft niemals mehr in's Land rufen. Denn wenn wir so handeln,
so werden wir auch jetzt nicht die Schuld auf uns laden, Sicilien
zweier großen Wohlthaten zu berauben, nämlich der Erlösung von den
Athenern und vom inneren Krieg, und werden für die Zukunft uns
das Vaterland frei erhalten und den feindlichen Absichten Anderer
weniger bloßgestellt."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.