wegen irgend Jemandem zu widersprechen, noch auch um sie
anzuklagen. Denn uns, wenn wir anders klug sind, handelt es sich nicht
darum, ob jene Unrecht gethan haben, sondern darum, daß wir einen
klugen Entschluß sassen. Denn selbst wenn ich nachgewiesen hätte,
daß sie uns tödtlich beleidigt haben, würde ich deßhalb noch nicht auch
für die Hinrichtung stimmen, wenn diese uns nicht vortheilhast wäre,
und ebenso wenig würde ich, wenn sie irgendwie Nachsicht verdienten,
diese gewähren, wenn es mir nicht vortheilhaft für den Staat schiene.
Ich meine, wir sollten unsern Beschluß mehr mit Berücksichtigung der
Zukunft als der Gegenwart fassen; und hier bin ich grade in dem
Punkte, worauf Kleon das meiste Gewicht legt, daß nämlich das
Verhängen der Todesstrafe uns für die Zukunft von Vortheil sei, weil
Abfall so leichter verhütet werde, grade der entgegengesetzten Meinung,
obgleich ich eben so gut wie er dabei unser künftiges Wohl im Auge
habe. Ich wünschte nicht, daß ihr zu Liebe der scheinbaren
Richtigkeit seines Vorschlags den Nutzen von euch stießet, den der meinige
bietet. Denn da eurer leidenschaftlichen Erregtheit gegen die
Mytilenäer seine Meinung auf Gerechtigkeit gegründet scheint, so kann sie
euch wohl leicht mitreißen. Aber wir haben ja keinen Rechtshandel
gegen sie durchzufechten, wobei es sich um Recht oder Unrecht handelte,
sondern wir berathen uns, auf welche Art wir ihre Sache am meisten
zu unserm Vortheil austragen können."
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
Sponsored by University of Leipzig.
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