Ausdehnung nach auf der Seeseite hin von der Stadt Abdera an
bis in den Pontos Euxinos hinein und an diesem bis zur Mündung
des Jster-Flusses. Diese ganze Strecke läßt sich auf dem kürzesten
Wege und bei immer günstigem Winde von einem Lastschiff in vier
Tagen und ebensoviel Nächten zurücklegen; zu Lande aber könnte ein
Mann, der gut zu Fuße ist, aus dem kürzesten Wege von Abdera in
eilf Tagen zum Jster gelangen. Das war die Erstreckung an der
Seeküste; landeinwärts aber ist von Byzanz bis zu den Lääern und
dem Strymonflusse, denn das ist vom Meere an gerechnet die größte
Entsernung, für einen guten Fußgänger ein Weg von dreizehn Tagen.
Die Steuern, welche von dem gesammten barbarischen Lande wie
auch von den hellenischen Städten unter der Regierung des Seuthes
bezahlt wurden, der dem Sitalkes in der königlichen Würde gefolgt
war und die Abgaben auf'» Höchste gesteigert hatte, betrugen
ungefähr vierhundert Silbertalente und gingen in Gold und Silber ein.
Und nicht weniger als dies wurde in Geschenken an Gold und Silber
gebracht, ungerechnet die Gewebe und die schlichte Leinwand und
sonstiges Geräthe, und dergleichen wurde nicht nur dem Könige, sondern
auch den großen Vasallen und den Adeligen der Odryser geboten. 1
Denn diese, wie auch die übrigen Thraker, haben in ihrem Lande die
persische Sitte umgekehrt, das heißt sie nehmen lieber als sie geben,
und es zog dem mehr Haß zu, welcher eine Forderung zurückwies. als
es dem schimpflich war, der seine Bitte verfehlte. Doch zog Einer
aus dieser Sitte um so mehr Nutzen, je mehr er in Ansehen stand,
denn es war gar nichts auszurichten, ohne daß man Geschenke brachte.
So gelangte dies Königthum zu großem Wohlstande, denn von allen
europäischen Staaten, welche zwischen dem ionischen Busen ^adriat.
Meer^ und dem Euxinos liegen, war dieser an Geldeinkünften und
sonstigem Reichthum der bedeutendste, obwohl er an Kriegskraft und
Heereszahl den Skythen bei weitem nachstand. Denn diesen sind nicht
nur die europäischen Völker nicht zu vergleichen, sondern auch in Asien
gibt es kein Volk, welches einzeln für sich sämmtlichen Skythen
widerstehen könnte, wenn sie unter einander einig wären. Doch halten sie in
Bezug auf Einsicht und verständige Einrichtungen in den Dingen des
Lebens mit Andern keinen Vergleich aus.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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