eingefallen und auch eine feindliche Flotte zu erwarten sei, eilten sie sich
einander nicht zu Hülfe, sondern vertheidigten eine jede Gemeinde sich
selbst und sandten indessen zu Phormio mit der Bitte, er möge zu
Hülse kommen. Dieser aber ließ sagen, er könne jetzt unmöglich
Naupaktos unbeschützt lassen, da eine Flotte von Korinth abzusegeln im 1 2
Begriffe sei. Die Peloponnesier nun und ihre Bundesgenossen
marschirten in drei getrennten Abtheilungen gegen die Stadt der Stratier,
um in der Nähe ein Lager zu schlagen und, wenn dieselben nicht
gütlich mit sich reden ließen, die Festigkeit ihres Ortes ernstlich zu
erproben. In der Mitte marshcirten die Chaoner und die übrigen
Barbaren, rechts von ihnen die Leukadier, Anaktorier und wer mit ihnen
war, und links Knemos mit den Peloponnesiern und Amprakioten.
Diese Abtheilungen trennten große Zwishcenränme, und manchmal
konnten sie sich einander gar nicht sehen. Die Hellenen nun marshcirten
in Reih und Glied und mit aller Vorsicht, <>is sie an einem geeigneten
Orte ihr Lager geschlagen haben würden. Die Chaoner aber, voller
Selbstzuversicht, wie sie denn auch unter den dortigen Festländern für
die streitbarsten gehalten werden, brachten es nicht über sich, erst ein
Lager zu schlagen, sondern stürzten mit den andern Barbaren eiligst
vorwärts, in dem Glauben, sie würden die Stadt im ersten Anschrei
nehmen und sie allein den Ruhm davon haben. Die Stratier aber
erhielten davon Wind und dachten, wenn sie über diesen vereinzelten
Haufen gesiegt hätten, so würden die Hellenen nicht mehr gleich muthig
gegen sie vorgehen. Deshalb legten sie in der Umgebung der Stadt
Hinterhalte, und als jene nahe genug waren, rückten sie zu gleicher
Zeit aus der Stadt heran und brachen aus den Hinterhalten hervor.
Da hiedurch die Chaoner in Verwirrung geriethen, so verloren sie
viele von ihren Leuten, und als die andern Barbaren sie weichen
sahen, so hielten sie nicht mehr Stand, und Alles wandte sich zur
Flucht. Von diesem Gefechte hatte keine der beiden hellenischen
Abtheilungen etwas gemerkt, weil die Barbaren zu sehr vorausgeeilt
waren nnd die Hellenen glaubten, jene beeilten sich, um ein Lager zu
schlagen. Da aber jetzt die Barbaren fliehend herbeistürzten, so
nahmen sie dieselben aus, vereinigten ihr Lager und blieben den Tag
über ruhig an jenem Orte stehen, da die Stratier nicht mit ihnen
handgemein wurden, weil die übrigen akarnanischen Hülsstruppen
noch nicht zu ihnen gestoßen waren. Doch beunruhigten jene sehr
durch Schleuderwürfe aus der Ferne und brachten sie dadurch in große
Verlegenheit, da sie ohne volle Waffenrüstung sich nicht vom Fleck
entfernen dursten. Denn die Akarnanier werden für die geschicktesten
Schleuderer gehalten.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.