trafen die Flotten auf einander. Beide aber waren mehr nach alter
Art und in unvollkommener Weise gerüstet und hatten viel Schwer- 1
bewaffnete auf dem Verdeck, auch viele Bogenschützen und
Lanzenträger, und so kämpften sie. Die Seeschlacht war erbittert, aber dem
Eifer glich nicht die Geschicklichkeit, und so hatte eS mehr das
Ansehen einer Landschlacht. Denn wenn Schiffe auf einander gestoßen
waren, so konnten sie sich wegen der Menge und des Gedränges der
Fahrzeuge nicht leicht von einander losmachen. Auch erwartete man
den Sieg eher von den Schwerbewaffneten auf dem Verdeck, die festen
Fußes stehend kämpften, während die Schiffe ruhig lagen. Die
Schlachtlinien zu durchbrechen unternahm man nicht ^), sondern
Muth der Einzelnen und persönliche Stärke thaten in diesem
Seekampf mehr, als Erfahrung und Geschicklichkeit, und überall war
großer Lärm und wirres Geschrei. Die Athenischen Schiffe ließen
sich nirgends erster Hand in den Kampf ein, sondern wo irgend die
Kerkyräer bedrängt wurden, da stellten sie sich ihnen zur Seite und
schreckten die Gegner nur zurück, denn die Anführer scheuten sich, der
Athener Verbot zu übertreten. Am meisten gerieth der rechte
Korinthische Flügel in die Enge, denn die Kerkyräer zwangen ihn mit
zwanzig Schiffen zum Wenden, setzten den zerstreuten und gegen das
Festland flüchtenden nach und segelten bis dicht an ihr Lager, wo
sie an's Land stiegen und die leeren Zelte in Brand steckten und
plünderten. Hier also zogen die Korinther und ihre Bundesgenossen den
Kürzeren, und die Kerkyräer waren im Vortheil. Wo aber die
Korinther selbst standen, aus dem linken Flügel, hatten sie bei
Weitem den Vortheil, denn den Kerkyräern, die ohnedies in der
Minderzahl waren 22), gingen die zwanzig verfolgenden Schiffe ab. Da
nun die Athener, welche vorher sich gehütet hatten handgemein zu
werden, die Noth der Kerkyräer sahen, segelten sie unbedenklich zur
Hilfe heran, und als die Flucht entschieden war und die Korinther
nachsetzten, da legte Jeder der Athener Hand an's Werk, und man
konnte keinen Unterschied mehr machen, sondern die Gefahr wurde 2 3 4
so groß, daß Korinther und Athener mit einander handgemein
wurden.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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