vor dem Kriege gehalten haben, theils auch während der Führung
desselben, so wäre es mir unmöglich gewesen, die wirklich gesprochenen
Worte mit Genauigkeit wiederzugeben, und zwar betrifft dies nicht
weniger die, welche ich selbst mit angehört habe, als auch die mir von
anderer Seite mitgetheilt worden sind. Es wird aber in meinem Buche
so geredet, wie mir die Einzelnen den Umständen gemäß am
passendsten zu sprechen schienen, indem ich mich dabei so eng als möglich an
die Hauptgedanken der wirklich gehaltenen Reden anschloß. Was
aber die im Kriege vorgefallenen Thatsachen betrifft, so hielt ich nicht
für erlaubt, sie so auszuzeichnen, wie ich sie vom Ersten Besten
erzählen hörte, und auch nicht nach meinem eigenen Gutdünken, sondern
wie ich theils durch eigene Anshcauung, theils durch möglichst genaue
Erkundigung bei Anderen über jedes Einzelne mich unterrichtet habe. 1 2
Doch war es schwierig, die Wahrheit auszufinden, weil diejenigen,
welche den einzelnen Begebenheiten als Augenzeugen beigewohnt
hatten, sie doch nicht auf dieselbe Weise erzählten, sondern wie grade
einen Jeden sein Wohlwollen für den einen oder andern Theil oder
fein Gedächtnis; anleitete. Dem Ohre nun wird diese Geschichte, weil
sie nichts Sagenhaftes erzählt, zwar weniger vergnüglich erscheinen,
wenn aber diejenigen dies Werk nützlich finden, welche die geschehenen
Dinge kennen lernen wollen, wie sie wirklich waren, und wie auch die
Zukunft sie immer auf dieselbe oder auf ähnliche Weise wiederholen
wird, weil es eben die menschliche Natur so mit sich bringt, so wird
das genug sein. Es ist mehr geschrieben, um ein Besitzthum für alle
Zeiten zu sein, und buhlt nicht als Redeprunkstück dem Augenblick
zu gefallen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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