„Einem Selbstherrscher oder einem Staate, der über andere
herrscht, ist nichts ungereimt, was vorteilhaft, nichts verwandt,
was ihm nicht sicher ist. Deshalb ist er genötigt, je nach
Umständen bald Freund, bald Feind zu werden. Und hier
gereicht es uns nicht zum Vorteil, wenn wir unsere Freunde
schwächen, wohl aber, wenn unsere Feinde durch die Stärke
unserer Freunde in Schach gehalten werden. Zum Mißtrauen
habt ihr keinen Grund. Denn auch bei unseren dortigen
Bundesgenossen halten wir es mit unserer Herrschaft so, wie
es für uns bei jedem von ihnen am zuträglichsten ist. Die
Chier und Methymner sind unabhängig und stellen Schiffe, die
meisten halten wir kürzer und lassen sie Steuern zahlen, wieder
andere sind völlig freie Bundesgenossen, obwohl sie auf Inseln
wohnen und leicht zu unterwerfen wären, weil ihre Inseln in
nächster Nähe des Peloponnes uns sehr gelegen sind. Natür
lich also werden wir auch hier so verfahren, wie es uns zum
Vorteil gereicht und, wie wir euch vorhin schon gesagt, aus
Furcht vor den Syrakusern zweckmäßig erscheint. Denn sie
wollen euch unter ihre Herrschaft bringen und dadurch, daß
sie uns bei euch verdächtigen, auf ihre Seite ziehen, um sich
mit Gewalt oder, wenn ihr, falls wir hier unverrichteter Sache
wieder abziehen müssen, nur auf euch allein angewiesen seid,
selbst zu Herren der ganzen Insel zu machen. Und das kann
nicht ausbleiben, wenn ihr zu ihnen übergeht. Denn wir
würden mit einer solchen vereinigten Macht schwerlich fertig
werden, und euch würden sie, wenn wir nicht mehr da sind,
unfehlbar überlegen sein. o