„Und wenn sich Einer die Sache so vorstellt, als ob nur
der Syrakusaner mit dem Athener im Krieg sei, er selbst aber nicht,
— wenn Einer denkt, daß es thöricht sei, für mein Vaterland sich in
die Gefabren des Kriegs zu begeben, so möge er bedenken, daß er
nicht sowohl für meine Vaterstadt, sondern in der meinigen auch eben
so gut für die seinige fechten wird, und zwar deßhalb mit um so mehr
Sicherheit, weil ich nicht bereits schon vor ihm vernichtet bin, und
er also nicht allein, sondern in meiner Bundesgenossenschaft kämpfen
wird. Er bedenke, daß der Athener nicht gekommen ist, um die
Feindschaft des Syrakusaners gegen ihn (und seine sikelischen
Bundesgenossen) zu bestrafen, sondern vielmehr, um auch seine
eigene'Knechtschaft sicher vorzubereiten, unter dem Vorwande, daß es mir gilt.
Wenn uns aber Einer beneidet, oder auch fürchtet — denn beidem
ist die überlegene Macht ausgesetzt — und deßhalb wünscht, daß Sy?
rakus zwar durch Unglück gedemüthigt und bestraft werde, aber seiner
eigenen Sicherheit wegen doch erhalten bleibe, so hofft er die Erfül
1
lung eines Wunsches, der über das Bereich menschlicher Kraft weit
hinausgeht. Denn es ist nicht möglich, daß Einer auf dieselbe Weise,
wie seinen Wunsch, so auch das Glück beherrsche. Und wenn er dann
wider Erwarten Alles anders kommen sieht, so wird er bald über sein
eignes Unglück zu jammern haben, und würde dann vielleicht viel
darum geben, wenn er unser Glück noch beneiden dürste, wie vorher.
Aber das ist dann unmöglich, wenn er uns schon preisgegeben und
nicht dieselben Gefahren hat mit uns theilen wollen, die zwar nicht
dem Namen, aber doch der That nach auch die seinigen sind. Denn
scheinbar'hätte Einer unsere Macht retten zu helfen, in der That aber
würde er für seine eigene Rettung handeln. Und vor allen Andern
hättet ihr Kamarinäer, die ihr unsere Gränznachbarn und deßhalb
zunächst nach uns bedroht seid, die Gefahr rechtzeitig in's Auge
fassen sollen, und euch nicht als so lahme Bundesgenossen zeigen, wie
ihr es jetzt thut; sondern wie ihr gewiß uns bittend um Hilfe
angegangen hättet, wenn die Athener zuerst gegen das Gebiet von
Kaniarina gezogen wären, so solltet ihr in gleicher Weise auch jetzt zu uns
geschickt haben und uns auffordern, in Nichts nachzugeben. Aber
weder ihr, noch auch die Andern habt dazu Anstalten gemacht."