„Von der Gerechtigkeit unserer Sache und unserer
Rechtlichkeit wollen wir also zuerst reden, zumal wir die
Bundesgenossenschaft mit euch wünschen; denn wir wissen, daß weder zwischen
einzelnen Männern feste Freundschaft, noch auch zwischen Staaten zu
irgend welchem Zwecke Gemeinschaft bestehen kann, wenn nicht beide
Theile mit wirklicher Rechtlichkeit gegen einander verfahren und sie
auch sonst gleicher Denkart sind; denn in einer Verschiedenheit der
Meinung ist die Verschiedenheit der That schon inbegriffen Unsere
Bundesgenossenschast mit den Athenern nahm damals ihren Ursprung,-
als ihr von dem medischen Kriege zurücktratet, sie aber noch
aushielten, um zu Ende zu führen, was noch zu thun übrig war. Wir
wurden aber nicht ihre Bundesgenossen, um auf die Hellenen das Joch
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der Athener legen zu helfen, sondern um vom medischen Joche die
Hellenen zu befreien. Und so lange sie bei ihrer Führung das gleiche
Recht Aller geachtet haben, sind wir ihnen mit allem Eifer gefolgt.
Als wir aber sahen, wie sie in ihrer Feindschaft gegen die Meder
nachließen und dafür auf Unterjochung ihrer Bundesgenossen lossteuerten,
da war es mit unserem Vertrauen zu Ende. Es war aber wegen der
Vielköpfigkeit der Bundesgenossen unmöglich, daß sie unter einander
eins geworden wären, und so wurden sie unterjocht, uns und die Chier
ausgenommen; denn wir behielten unsere eigenen Gesetze und folgten
ihrer Kriegsführung, dem Namen nach als freie Leute. Da uns aber
das bereits Geschehene ein warnendes Beispiel war, so konnten wir
auf die Athener als Anführer kein Vertrauen mehr setzen; denn es war
nicht denkbar, daß sie die unterjochten, welche mit uns ihre
Bundesgenossen geworden waren, und den noch frei gebliebenen nicht bei guter
Gelegenheit dasselbe anthun sollten."