Dies war im Ganzen die Art der Krankheit, um von vielen
andern seltsamen Dingen zu schweigen, die dabei vorzugsweise dem
Einen oder dem Anderen zustießen. Zu gleicher Zeit hatte man von
den sonst gewöhnlichen Krankheiten Nichts zu leiden, und wenn etwas
der Art vorkam, so schlug es in jene um. Es starben aber wie die,
denen es an Pflege mangelte, so auch die mit aller Sorgfalt Gevflea«
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ten. Es gab auch nicht cm besonderes Heilmittel, von dem man
sagen konnte, daß sein Gebrauch hätte nützen müssen; denn was dem
Einen nützte, erwies sich dem Andern schädlich. Die
Leibesbeschaffcnheit für sich genommen, war es ganz gleichgültig, ob Einer kräftig
war oder schwächlich, sondern Alles ohne Unterschied raffte die Seuche
dahin, ob sich nun Einer so oder so behandeln ließ. Das Furchtbarste
dabei war aber die Muthlosigkeit, wann sich Einer von dem Uebel
ergriffen fühlte, — dein dann überließ man sich allsogleich der
Hoffnungslosigkeit, gab sich über Gebühr selbst auf und leistete keinen
Widerstand, — und daß, Einer durch die Pflege des Andern
angesteckt, die Menschen dahinstarben wie die Schafe. Das war es, was
den stärksten Verlust verursachte. Denn wenn man aus Furcht sich
den Andern zu nähern vermied, so gingen diese in ihrer Verlassenheit
zu Grunde, wie denn viele Häuser aus Mangel an Wärtern ganz
ausgestorben waren. Wer aber sich jenen näherte, ging auch zu
Grunde, und besonders die, welche den Tugendpflichten ein Genüge
leisten wollten; denn aus Scham schonten sie sich selbst nicht und
besuchten ihre Freunde, da auch die nächsten Anverwandten, überwältigt
von dem endlosen Elende, des Klagens über die Gestorbenen müde
wurden. Größeres Mitleid aber, mit den Gestorbenen sowohl
wie mit den noch Leidenden, hatten die Geretteten, weil sie das Uebel
kannten und sich selbst bereits in Sicherheit wußten. Denn zum
zweiten Male befiel Keinen die Krankheit so, daß er daran gestorben
wäre. Und die Andern und sie selbst priesen sich glücklich, vor großer
Freude über die Gegenwart sowohl, als auch weil sie der Hoffnung
lebten, daß ihnen nun vielleicht keine Krankheit mehr tödtlich werden
könnte.