Sophocles Oedipus at Colonus 959

ed. Lewis Campbell

καὶ τηλικόσδʼ ὤν, ἀντιδρᾶν πειράσομαι.

Oedipus at Colonus. Sophocles. ed. Lewis Campbell. Oxford. 1879.

Current edition Experimental

Greek (Lewis Campbell, 1879) (OCR draft) (Greek) (Greek (Lewis Campbell, 1879))

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Greek (F. Storr, 1912) (OCR draft) Experimental (Greek (F. Storr, 1912)) — 1044-1097 focus
Translations (2)
German (J. J. C. Donner, 1875; OCR review) (OCR draft) Experimental (German (J. J. C. Donner, 1875; OCR review)) — 960 focus
Schamloser! Wen zu schmähen wähnt dein Uebermuth
Mit solchem Hohne, mich den Greisen oder dich,
Dich, der den Mord, den Ehebund, mein Mißgeschick
So frech mir vorrückt, das ich unfreiwillig nur
960
Ertrug, ich Armer? So gefiel's den Göttern ja,
Die längst vielleicht Groll hegten wider mein Geschlecht.
Bei mir ja selber fändest du doch nimmermehr
Den Flecken eines Frevels aus, mit dem ich so
An mir und meinem Stamme mich versündigte.
965
Denn sage, wenn ein Gottesspruch dem Vater einst
Erscholl, er werde fallen durch des Sohnes Hand,
Wie kannst du billig diese Schuld vorwerfen mir,
Der noch des Lebens Keime nicht vom Vater noch
Der Mutter hatte, nein, noch ungeboren war?
970
Und wenn ich dann, zum Leide, wie ich war, gezeugt,
Im Kampf mit meinem Vater rang und ihn erschlug,
Nicht wissend, weder was ich that, noch gegen wen:
Wie schältst du füglich, was ich unfreiwillig that?
Auch von der Mutter Ehe zwiitgst du Frecher mich
975
Zu reden, du, ihr Bruder, und erröthest nicht!
Gleich sprech' ich hievon; kann ich doch nicht schweigen mehr,
Nun selbst bis dahin schweifte dein ruchloser Mund.
Ja, mich gebar, gebar sie, mich Unseligen,
Unwissend mich Unwissenden, und die mich gebar,
980
Hat, sich zur Schande, Kinder mir, dem Sohn, gezeugt.
Doch Eines weiß ich sicher, daß du mich und sie
Mit Willen also schmähtest: ich vermählte mich
Ihr nicht mit Willen, rede hier gezwungen nur.
Nein, meinen Namen schändet nicht der Ehebund,
985
Auch nicht der Mord des Vaters, den du jederzeit
Mir frech mit bitterm Hohne vorzurücken liebst.
Denn auf die Eine Frage nur antworte mir:
Kommt Einer, dich, Gerechter, auf der Stelle hier
Zu tödten, wirst du fragen, ob's dein Vater sei,
990
Der deinen Tod will, oder ihn zur Strafe zieh'n?
Ich denke, wenn dein Leben dir lieb ist, du strafst
Den Mörder, ohne nach dem Recht dich umzuseh'n.
In solches Unheil aber stürzt auch ich hinein
Durch Götterleitung, und der Geist des Vaters selbst,
995
Zum Lichte kehrend, glaub' ich, widerspräch' es nicht.
Doch du der Ungerechte, du, dem Jegliches
Schön dünkt zu reden, was geziemt und nicht geziemt -
Sprichst solchen Vorwurf ohne Scheu vor diesen aus.
Den Ruhm des Theseus schmeichelnd hochzupreisen, dünkt
1000
Dir schön, zu rühmen, wie geordnet blüht Athen:
Doch spendend solches reiche Lob, vergaßest du,
Daß jedes Volk der Erde, das in frommer Scheu
Die Götter ehrt, von diesem übertroffen wird,
Aus dem du mich, den greisen Schüzling, rauben willst,
1005
Mich frech bewältigst und die Töchter schon entführt.
Drum ruf' ich jezt zu dieses Haines Göttinmen
In tiefer Demuth und bestürme sie mit Fleh'n,
Verbündet hälfreich mir zu nah'n, auf daß du lerust,
Von was für Männern diese Stadt behütet wird.
1010
English (Sir Richard Jebb, 1904) (OCR draft) Experimental (English (Sir Richard Jebb, 1904)) — 1044-1095 focus