Was thust du, Pallas? Nimmermehr ruf' ihn heraus -
Athene.
harre schweigend! Hüte dich vor feiger Furcht!
75
Odysseus.
Bei'm Himmel, laß ihn! Besser, wenn er innen bleibt!
Athene.
Was kannst du fürchten? War er nicht auch sonst ein Mann?
Odysseus.
Mein Feind, o Herrin, war er stets, und ist es noch.
Athene.
Ist, einen Feind verhöhnen, nicht ein süßer Hohn?
Odysseus.
Mir dünkt es besser, wenn der Mann im Zelte bleibt.
80
Athene.
Den Mann im Wahnsinn scheust du dich sichtbar zu sehn?
Odysseus.
Wär' er bei Sinnen, scheut' ich nicht vor ihm zurück.
Athene.
Er soll auch jezt nicht sehen, daß du nahe bist.
Odysseus.
Wie, wenn er noch mit gleichen Augen sicht, wie sonst?
Athene.
Ich hüll' ein sehend Auge selbst in Dunkel ein.
85
Odysseus.
Wohl gibt's, wo Götter schaffen, nichts Unmögliches.
Athene.
So harre still und bleibe stehen, wie du bist.
Odysseus.
Ich bleibe; freilich wünscht' ich weit von hier zu sein.
Athene.
Auf, Ajas, auf! Zum andernmale ruf' ich dir;
Was achtest du so wenig deiner Helferin?
90
(Ajas tritt aus dem Zelte, mit einem Riemen in der Hand.)
Ajas. Die Vorigen.
Ajas.
Heil, Athene, Heil dir, Zeusgebornes Kind!
Du halfest mir so treulich, und ich kränze denn
Mit goldner Siegesbeute dich für diesen Fang.
Athene.
Ganz wohl gesprochen; aber das bedeute mir:
Du hast in's Heer von Argos recht dein Schwert getaucht?
95
Ajas.
Ich darf mich dessen rühmen und verleugn' es nicht.
Athene.
Und färbt' an Atreus' Söhnen auch dein Arm sich roth?
Ajas.
Daß Ajas nie mehr ihren Hohn erfahren wird.
Athene.
Todt sind die Männer, wenn ich recht dein Wort gefaßt.
Ajas.
Todt laß sie jezt mir meinen Waffenschmuck entzieh'n!
100
Athene.
Ajax. Sophocles. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .