Grab meines Vaters, Heil! Am Eingang hier begrub
Ich dich, o Proteus, meinen Gruß zu bringen dir.
In allen Zeiten, geh' ich aus und ein im Haus,
Mein Vater, spricht Theoklymenos, dein Sohn, zu dir.
1115
(zu den Dienern)
Bringt ihr des Wildes Neze, bringt die Hunde nun,
Ihr Diener, mir in's königliche Haus zurück.
(sie gehen.)
Ich habe vormals dfter schon mich selbst geschmåht;
Denn nie mit Todesstrafe lohnt' ich Bösen noch.
Und nun vernahm ich, daß ein Mensch aus Hellas uns
1120
Im Land erschienen und die Wächterschaar getäuscht;
Kundschaften will er, oder heimlich Helena
Entführen. Er muß sterben, wenn man ihn ergreift.
Ha!
Da, scheint es, find' ich Alles schon in's Werk gesezt;
Den Siz am Grabe hat die Tyndaride leer
1125
"Gelassen, ist aus meinem Lande fortgeschifft.
Hollah! Die Pforten öffnet, lost die Rosse von
Den Krippen, Diener, und die Wagen führt heraus,
Daß uns die Frau nicht heimlich aus dem Lande flicht,
Um die wir werben, wollten wir die Muhe scheun.
1130
Doch halt! Die Frau, nach welcher unsre Schritte spåhn,
Dort ist sie, seh' ich, im Palast, und nicht entflohn.
(Bu Helena, die aus dem Palaste tritt.)
Du da, warum doch tauschtest du das weiße Kleid
Mit schwarzen Trauergewanden, was beraubtest du
Dein edles Haupt mit dem Eisen seines Lockenschmucks?
1135
Was stromen heiße Zähren dir die Wang' herab?
Du weinst? Verstimmt ein nachtlich Traumgebilde dich
Zu Seufzern, oder drang zu dir vom Hause her
Ein böses Wort, daß Trauer deinen Geist verzehrt?
Helena.
O Herr! (mit diesem Namen red' ich nun dich an)
1140
Verloren, all mein Gluck dahin, nichts mehr bin ich!
Theoklymenos.
Welch Ungemach umsing dich? Was geschah mit dir?
Helena.
Menelaos - weh, wie sag' ich's? - mein Gemahl ist todt.
Theoklymenos.
Frau, deine Botschaft freut mich nicht! - (für sich) Welch
Gluck für mich! -
Woher erfuhrst du's? Sagte dir's Theonoë?
1145
Helena.
Sie sagt' es, und ein Andrer, der ihn sterben sah.
Theoklymenos.
Kam Einer, der's auch meldet' als unzweifelhaft?
Helena.
Gewiß. Er komme, wie mich selbst nach ihm verlangt!
Theoklymenos.
Wer ist er? Wo? Genau're Kunde wunscht' ich mir.
Helena.
Der dort am Fuß des Grabes hingekauert sizt.
1150
Theoklymenos.
Apollon! Welch ein schmuzig Kleid entstellt den Mann!
Weh!
Helena.
Auch meinen Gatten, fürcht' ich, hullt ein solch Gewand.
Theoklymenos.
Helen. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .