Euripides The Trojan Women 860-1059

ed. Gilbert Murray

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The Trojan Women. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

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Current edition Perseus

Τρῳάδες (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
The Trojan Women Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906. (Modernized by Perseus.)) — 860-1055 focus
The Trojan Dames (OCR draft) Experimental (The Trojan Dames. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 860 focus
O Sonne dieses Tages, goldenstrahlende,
850
Wo mir vergånnt wird, meine Gattin Helena
Bu fahen: ich bin jener Vielgequålte, bin
Menelaos, diese Männer sind von Argos' Heer.
Ich kam gen Troja, nicht des Weibes wegen, wie
Sie wähnen, sondern um den Mann zu züchtigen,
855
Der sie, den Freund berückend, meinem Haus entführt.
Doch dieser hat mit Götterhulfe schon gebust,
Er samt dem Lande, das vor Hellas' Speer erlag.
Nun komm' ich, die von Sparta (denn ich nenne sie
Ungerne Gattin, die vordem die Meine war,)
860
Hinwegzuführen. Hier im Zelte wurde sie
Den Troërfrau'n als Kriegsgefangne beigezählt.
Denn die sie mir erſtritten, übergaben sie
Mir nun zu tödten, oder, woll' ich dieses nicht,
Sie wieder heimzuführen in's Argeierland.
865
Doch mir gefiel es, nicht in Troja's Gauen ihr
Den Tod zu geben, sondern sie heimwårts im Schiff
Zu führen, daß zur Sühne dort die Danaer
Sie todten, deren Freunde hier gefallen sind.
Nun auf, o Diener, gehet ihr in's Belt hinein,
870
Und bringt sie her, die blutbefleckte Mörderin,
Geschleppt am Haare! Wenn die Wind' uns gunstig wehn,
Soll sie mit uns heimziehen in's Hellenenland.
Ein solches Vorspiel wahrlich muß mit Schrecken mich
885
Erfüllen, o Menelaos; durch der Diener Hand
Werd' ich gewaltsam hergeschleppt aus diesem Zelt!
Indessen ahnt mir, daß du mich wohl hassen mußt;
Doch will ich fragen, welches Urtheil Argos' Heer
Und du, mein König, über dieses Haupt verhångt.
890
Nicht dich befragen will ich nun, ich frage mich:
935
Wo waren meine Sinne, daß ich deinem Haus
Entfloh, dem Fremdling folgte, Land und Haus verrieth?
Schilt auf die Göttin, über Zeus erhebe dich,
Der, Herr der andern Götter, doch der Sclave ward
Von dieser Göttin: werde denn auch mir verziehn!
940
Doch - scheinbar zeihen könntest du mich Einer Schuld:
Als Alexandros zu den Schatten schied, und mich
Kein Gott in neuer Ehe band, so mußt' ich wohl
Das Haus verlassen und zu Hellas' Schiffen fliehn.
Dies wollt' ich auch vollfuhren: das bezeugen mir
945
Die Spåher dort auf Mauern, hier auf Thurmeshöhn,
Die manchesmal mich trafen, wann ich ingeheim
Am Strick von hoher Zinne mich hinunterließ.
Doch raubte mich der neue Gatte hier und ward,
Troz allen Phrygern, mein Gemahl, Deiphobos.
950
Wie sturb' ich nun, mein Gatte, noch gerecht durch dich,
Ich, welche dieser mit Gewalt zum Weibe nahm,
Und der die Schönheit statt der Siegeskränze nur
Mit bittrer Knechtschaft lohnte? Willst du großer sein
Als Götter, dies zu wollen nur ist Thorenwahn.
955
Mein Paris glänzte Göttern gleich an Wohlgestalt; -
Dein Sinn, der ihn erblickte, ward zur Kypria.
Ihn sahst du goldenstrahlend in barbarischen
980
Gewanden prunken, und in Wuth entbranntest du.
Denn Argos, wo du weiltest, bot dir Wenigesв;
Von Sparta scheidend, hofftest du, die Phrygerstadt,
Von Golde stromend, werde dir im Uebermaß
Genusse spenden, weil des Gatten Haus dir nicht
985
Genugte, schwelgend deine Lust zu såttigen.
Wohlan!
Du sagst, gewaltsam håtte dich mein Sohn entführt.
Wer hörte das in Sparta? Welchen Jammerruf
Erhobst du, da doch Kastor, da sein Bruder doch
Noch lebte, noch nicht zugesellt den Sternen war?
990
Drauf als du kamst gen Troas und auf deiner Spur
Die Danaiden, und der Speere Kampf begann:
Da priesest du Menelaos, wenn ein Sieg von ihm
Verkündet wurde, daß mein Sohn sich angstigte,
Nun seiner Liebe solch gewalt'ger Feind erstand.
995
Doch wenn die Troër siegten, war Menelaos nichts.
Nur auf das Gluck hinschauend, allezeit bemüht,
Nur ihm zu folgen, folgtest du der Tugend nicht.
Dann ließest du dich ingeheim, behauptest du,
Am Strick den Thurm hinunter, bliebst mit Strauben nur.
1000
Wo sah man aber Seile dich befestigen,
Wo Schwerter scharfen, was ein tugendhaftes Weib
Thun mußte, die sich nach dem frühern Gatten sehnt?
Und doch ermahnt' ich wiederholt und dringend dich:
„Zieh' hin, o Tochter: meine Söhne freien dann
1005
Um andre Frauen; heimlich send' ich dich hinaus
Zum Heer Achaa's; ende du den blut'gen Kampf
Troja's mit Hellas!" Aber du verschmähtest dies.
Denn Paris' Haus behagte deinem Uebermuth,
Du wolltest angebetet von Barbaren sein.
1010
Dies war dir etwas Großes; drum erschienest du
Stets ausgeschmuckt, und sahst mit deinem Gatten doch
Denselben Aether! O der Abscheuwürdigen!
Dir ziemte nur geschoren, in zerrissnem Kleid,
Von Kålte zitternd, tiefgebeugt einherzugehn,
1015
Bescheidne Tugend übend statt Schamlosigkeit,
Nachdem du früher also dich versündiget!
Damit du weißt, Menelaos, wo ich enden will:
Zu Hellas' Ruhme todte sie und ehre so
Dich selbst; den andern Frauen, Herr, gib das Gesez,
1020
Daß Jede sterben müsse, die den Mann verrieth!
Wie's deiner Ahnen würdig ist und deines Stamms,
Straf', Herr, die Gattin, wende Hellas' Tadel ab,
Du seiest weibisch, zeige dich den Feinden stark!