Euripides The Trojan Women 1118-1332

ed. Gilbert Murray

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The Trojan Women. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

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Current edition Perseus

Τρῳάδες (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
The Trojan Women Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906. (Modernized by Perseus.)) — 1118-1331 focus
The Trojan Dames (OCR draft) Experimental (The Trojan Dames. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1118 focus
Weh, weh!
Leid wechselt um Leid in dem Unglucksland,
Stets neu, stets neu. Seht, ilische Fraun,
1100
Ach, seht des Astyanar Leichnam dort,
Den im grausamen Sturz von den Thürmen hinab
Hellenische Männer gemordet!
Talthybios mit Dienern, die den Leichnam des Astyanax tragen.
Hekabe. Der Chor.
Ein einzig Schiff von allen ist, o Hekabe,
Zurückgeblieben, das des Pyrrhos übrige
1105
Kriegsbeute nach Phthiotis' Küste tragen soll.
Er selber, Pyrrhos, schiffte fort, nachdem man ihm
Verkündet Peleus' grauses Leid, daß ihn der Sohn
Des Pelias, Akastos, aus dem Lande trieb:
Weshalb (denn långres Weilen schuf ihm keine Lust) 1
1110
Er eilig fortzog und mit ihm Andromache,
Die, da sie schied vom Lande, mir der Thränen viel
Entlockt, um Troja weinend und des Gatten Grab
Anredend. Auch erslehte sie die Gunst von euch,
Den Todten hier zu bestatten, der sein Leben ließ
1115
Hinabgestürzt vom Thurme, deines Sohnes Sohn,
Und diesen Schild aus Erze, der das Schrecken war
Von Hellas, den sein Vater einst zur Seite trug,
Daß nicht zu Peleus' Herde, nicht zum Brautgemach,
Wo seine Mutter wohnen wird, Andromache,
1120
Der Schild gelange, den zu seh'n ihr schmerzlich sei.
Nun, statt des Cedersarges, statt des Marmormals,
Begrabt in ihm den Knaben, und mit deinem Arm
Verhülle seinen Leichnam in Gewande, Frau,
und kranz' ihn, wie dein Schicksal dir es jekt vergonnt,
1125
Da sie geschieden und des Herrn Eilfertigkeit
Ihr nicht gestattet, ihren Sohn in's Grab zu thun.
Wenn du geschmuckt den Leichnam, häufen wir um ihn
Die Erd', erhdhen eine Lanz' auf seinem Grab. 2
Vollende du nun eilig, was geboten ist!
1130
Von Einer Mühe hab' ich euch bereits erlöst:
Denn als ich hier Skamandros' Fluten überschritt,
So badet' ich den Todten, wusch die Wunden rein.
Nun will ich eilen, ihm ein Grab aufschutten gehn,
Daß meine Müh' und deine sich vereinigend
1135
Zum Strand der Heimat ohne Rast das Schiff entführt.
(geht ab.)
Legt hin zur Erde meines Sohns gewölbten Schild!
Anblick der Trauer, der mein Auge nicht erfreut!
Ihr, groß und stolz in Waffen, doch an Geiste klein,
Warum, Achder, übtet ihr den grausen Mord
1140
An diesem Knaben? Daß er Ilion dereinst
Vom Fall' erhebe, sorgtet ihr? Nichts wart ihr denn,
Als wir erlagen, da für uns zahllose Macht,
Da noch mein Hektor glücklich rang im Lanzenkampf?
Nun, da die Stadt erobert, unser Volk vertilgt,
1145
War solches Kind euch furchtbar? Nimmer lob' ich es,
Wenn Furcht die Mannerherzen ohne Grund beschleicht.
Du Lieber, welch ein Jammertod kam über dich!
Starbst du für deiner Ahnen Land ein Jungling einst,
Vermählt, begabt mit gåttergleicher Herrschgewalt:
1150
Du wårst begluckt gewesen, wenn das glucklich macht.
Nun sahst du dieses, hast's im Geist erkannt, o Kind,
Nicht wissend, daß du 's sahest, hast der Guter nicht
Genossen, die dir Hektors Haus in Fülle bot.
Unglucklich Haupt, wie klåglich, ach, zerfleischten dich
1155
Die Vatermauern, die der Gott emporgethurmt! 3
Die Mutter pflegte dieses Haar so sorgsam einst,
Und küßte diese Locken -: aus zerschmetterten
Gebeinen (Graus'res nenn' ich nicht) grinst hier der Mord!
Ihr, Hånde, tragt des Vaters holdes Ebenbild:
1160
Doch nun
wie hångt ihr also schlaff und aufgelöst!
O Mund, du goldner, der so viel verhieß, du bist
Dahin! Du logest, als du sprachst, in mein Gewand
Dich schmiegend: „Mutter, viele Locken will ich dir
An deinem Grabe weihen, und der Freunde Schwarm
1165
Hinführend, ruf ich holder Namen Laut dir zu.”
Nicht du begråbst mich; ich, die Greisin, kinderlos,
Beraubt der Heimat, lege dich, den Sohn, in's Grab.
Weh mir! Die vielen Küsse, meine Sorg' um dich,
Dein süß Versprechen ist dahin! Was schreibt dir wohl 4
1170
Ein Sånger einst auf deinen Grabeshugel, Kind?
„Dem Knaben hier gab Argos' Kriegesheer den Tod
Aus Furcht." O Inschrift arger Schmach für Hellas' Volk! -
Sohn, wird dir auch kein Vatererbe sonst, empfångst 5
Du doch den Erzschild, der dich bald als Sarg umschließt.
1175
D. du, der Hektors schönen Arm vordem geschirmt,
Weh, deines besten Huters bist du nun beraubt!
Am Ringe haftet deiner Hand geliebte Spur, 6
Am schöngewölbten Rande klebt hier noch der Schweiß,
Der oft von deiner Stirne trof in heißer Noth,
1180
Mein Hektor, wenn du kämpfend an die Wang' ihn hieltst! 7
Auf, bringt dem armen Leichnam seinen Schmuck daher,
Wie wir's vermögen! Prachtig ihn zu schmucken, gönnt
Uns nicht das Schicksal: was ich hab', empfangst du hier!
Ein blinder Thor ist, wer beständig wähnt sein Gluck,
1185
Und freudig hinlebt. Denn das Gluck nach seiner Art
Springt, wie der Wahnsinntrunkne, bald hierhin und bald
Dorthin, und immer glucklich war Derselbe nie. 8
Du trafst, ach, mein Herz, o du, der mit Macht
Dereinst herrschen sollt' in meiner Våter Stadt!
1200
Das dich am Brautsest schmucken sollte, wann du dich 10
Dereinst vermählt der ersten Tochter Asia's,
Mit schönem Phrygerkleide schmuck' ich jezo dich.
Auch du, der stolze Vater einst unzähliger
Siegsmale, Hektors theurer Schild, nimm deinen Kranz!
1205
Nie wirst du sterben, stirbst du mit dem Todten auch. 11
Denn hoher Ehren bist du werth, viel werther als
Die Wehr des schlauen Bosewichts aus Ithaka.
Weh! In banger Trauer empfångt dich,
O Kind, der Erde Schooß.
1210
Wehklage, Mutter
Ich hülle Tücher heilend um die Wunden dir,
Dein Arzt, ich Arme, freilich nur dem Namen nach; 12
1215
Die andern heilt der Vater dir im Todtenreich.
O schlage, schlage dir das Haupt
Mit dem Wechselschlag der Hånde! Weh mir!
Die Götter wollten also Nichts als meine Noth,
Und unsre Troja haßten sie wie keine Stadt:
Wir brachten fruchtlos Opfer. Doch, hatt' uns ein Gott
Nicht aus den Höhen in den Tod hinabgestürzt,
Wir lebten ruhmlos, kein Gesang verherrlicht' uns,
1225
Durch den im Mund der Enkel unser Name lebt.
Geht, übergebt den Todten seinem düstern Grab;
Denn Todtenkränze hat er ja, wie's ihm gebührt.
Und wenig kümmert's, mein' ich, die dort unten sind,
Ob einem hier ein reiches Todtenopfer wird;
1230
Das ist nur eitler Uebermuth der Lebenden.
(Talthybios und die Diener gehen mit dem Leichnam ab.)
Ach, ach!
Weh' Ihr, die so glänzende Hoffnungen einst
An dich, an das Leben des Sohnes geknipft!
Hoch pries man dich einst; denn du warest erblüht
Aus edlem Geschlecht:
1235
Nun raffte dich grausamer Tod hin.
Ha!
(Man erblickt in der Ferne Krieger mit Fackeln.)
Euch ruf ich, Führer, die befehligt sind, die Stadt
In Flammen auszutilgen, laßt die Brande nun
Nicht mehr in euren Hånden ruhn, legt Feuer an,
Daß, sind die Mauern Ilions in Staub gestürzt,
Wir froh zur Heimat segeln aus dem Troërland!
1245
Doch ihr, (denn zwei Gebote ruft das Eine Wort!) 13
Geht, Troërjungfraun, wenn Achaa's Heeresfürst
Den hellen Schall der Kriegsdrommete ſchmettern läßt,
Zu Hellas' Schiffen, abzuziehn aus diesem Land;
Und du, die Greisin, aller Frau'n unſeligste,
1250
Folg' uns: sie kommen, die Odysseus hergesandt,
Als dessen Sclavin dich das Loos aus Troja führt.
O Herr, Kronos' Sohn, Vater des Phrygervolks,
Zeus, siehst du, welch unwurdig Loos
Wir Enkel deines Dardanos erdulden?
1270
O Land, meiner Kinder Nahrerin!
1280
Wehe!
Kinder, hört, vernehmt der Mutter Stimme!
Ha, meiner Götter Tempel, du, geliebte Stadt
1295
Weh!