Euripides The Suppliant Maidens 381-597

ed. Gilbert Murray

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The Suppliant Maidens. Euripides. ed. Gilbert Murray. Oxford. 1913.

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Current edition Perseus

Ἱκέτιδες (Greek) (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. II. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1913. (Reprinted 1921-1962))

Translations (3)
The Suppliants Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.) — 381-595 focus
The Supplicants (OCR draft) Experimental (The Supplicants. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1852; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 3, Heidelberg: C. F. Winter, 1852. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 381 focus
Stets übst du treulich deine Kunst und dienst der Stadt
Und mir, indem du Kunden hin und wieder trågst.
Jezt überschreit' Asopos' und Ismenos' Flut, 1
Und sage dies der Theber stolzem Könige:
375
„Theseus, des Nachbarlandes Fürst, begehrt in Huld
Von dir die Todten zur Beerdigung und wunscht,
Daß euch Erechtheus' ganzes Volk befreundet sei."
Willfahren sie der Rede, komm sogleich zuruck;
Doch wenn sie's weigern, mahne sie dein zweites Wort,
380
Auf meiner Schildbewehrten Schaar gefaßt zu sein.
Denn alles Heer eilt wohlbereit zur Musterung
Dorthin, zum heilig lautern Born Kallichoros. 2
Und wahrlich, gern und willig unterzog das Volk
Sich dieser Arbeit, als es mich entschlossen fand.
385
Ha!
Wer ist der Fremdling, der mein Wort hier unterbricht?
Ein Theber, scheint es; denn ich weiß es nicht gewiß.
Verziehe, Herold, ob er dir die Muhe nicht
Erspart und meinen Wunschen hier entgegenkommt.
Ein Herold aus Thebe tritt auf. Die Vorigen.
Wer ist des Landes Herrscher? Wem verkunden wir
390
Die Worte Kreons, der in Kadmos' Land gebeut,
Seit Eteokles vor den sieben Pforten fiel,
Von Polyneikes', seines Bruders, Hand entseelt?
Ein feiner Herold, mit dem Wort verschwenderisch!
Doch weil auch du zu kämpfen wagtest solchen Kampf,
So hore: du ja singest an der Worte Streit.
Nichts ist dem Volk so feindlich als Tyrannenmacht;
420
Da gelten (was das Hochste) nicht gemeinsame
Geseze; nur Ein König, der sich alles Recht
Anmaßt, gebeut, und keine Gleichheit waltet mehr.
Sind Rechte da, geschrieb'ne, hat der Dürftige,
Und wem des Reichthums Fülle ward, das gleiche Recht;
425
Auch darf der Schwache wider einen Glucklichen
Das Recht vertreten, wann er ihm ruchlos erscheint; 3
Und wenn er wahr gesprochen, siegt der Kleinere.
Auch ist es Freiheit, wenn der Herold ruft im Volk:
430,Wer will den Bürgern guten Rath verkündigen?"
430
Und hochgeehrt ist, wer es will; wer aber nicht,
Der schweigt. Wo wåre gleich'res Recht in einem Staat?
Auch freut ein Volk sich, welches selbst im Land gebeut,
Kraftvoller Jünglingsarme, die sich ihm geweiht;
Ein König aber achtet sie dem Feinde gleich,
435
Und jeden Besten, der ihm klug und weise dunkt,
Ermordet er, für seine Bwingherrschaft besorgt.
Wie mag ein Staat nun fürder stark und sicher sein,
Wenn Einer, wie man Aehren pfluckt im Lenzgefild,
Wegrafft die Kühnen und der Jugend Blüthe bricht?
440
Was frommt's, den Kindern Geld und Gut zu schaffen, daß
Man nur des Zwingherrn Leben mehr verherrliche?
Was frommt es, schöne Tochter sich daheim erziehn, 4
Dem Herrn zu sußer Wonne, wann's ihn listete,
zu bittrem Gram den Aeltern? Leb' ich fürder nicht, 5
445
Wenn meine Kinder mit Gewalt ein Fremder freit! -
Auf deine Reden gab ich dir dies Wort zurück.
Doch - was verlangend kamst du denn in dieses Land?
Du solltest heulen, wenn die Stadt dich nicht gesandt,
Du, der so Leeres schwazte! Soll ein Bote doch,
450
Nachdem er kundthat, was man ihm befahl, sogleich
Nach Hause kehren. Sende fortan weniger
Schwazhafte Boten Kreon mir in meine Stadt!
Weh, weh!
Gleich will ich reden: das, warum wir eiferten,
Mag also dir erscheinen, mir schien's umgekehrt.
Und ich verbiete, Kadmos' ganzes Volk verbeut's,
Adrasten einzulassen, Herr, in dieses Land;
Doch wenn er hier ist, achtet nicht der heiligen
460
Delzweig' am Fremdling, nein, hinaus treibt ihn, bevor
Des Gottes Strahl sinkt, und entführt die Todten nicht
Gewaltsam, weil ihr keinen Theil an Argos habt.
Und, folgst du mir, so wirst du sonder Sturm das Schiff
Des Staates lenken; folgst du nicht, droht uns und dir
465
Und deinen Freunden großer Sturm des Krieges noch.
Drum überlege; nicht erzurnt erwiedere
(Weil etwa frei sei deine Stadt) auf unser Wort
Mit stolzer Rede, trozend auf der Arme Kraft.
Kein Uebel gleicht der Hoffnung, die viel Städte schon
470
Entzweit, die Menschengeister treibt zum Uebermaß.
So, wann's im Volke wegen Krieg zum Stimmen kommt,
Denkt Keiner mehr an seinen eignen Untergang,
Und wålzt des Todes Misgeschick dem Andern zu.
Schwebt' Allen Tod vor Augen, wenn's zum Stimmen geht,
475
Fand Hellas nie bei wilder Speere Wuth den Tod.
Doch wissen alle Menschen wohl Unrecht und Recht 6
zu scheiden, auch, was bose sei, was gut, und daß
Viel segenreicher, als der Krieg, der Friede sei,
Er, der den Musen holdgesinnt und angenehm,
480
Der Nache Feind ist, der sich freut des bluhenden
Nachwuchses, freut des Reichthums. Ihn verschmåhen wir,
Sinnlose Thoren, wählen Krieg, bewältigen
Im Kampf der Mensch den Menschen und die Stadt die Stadt.
Du willst gefallnen Götterfeinden Hülfe leihn, 7
485
Bestatten und beschicken, die ihr Troz verdarb.
Nicht also Necht war's, daß der Leib des Kapaneus
Vom Bliz umgluht aus hochgestellter Leiter dampft,
Der auf zum Thore klimmend, auszutilgen schwur
Die Veste, woll' es eine Gottheit oder nicht:
490
Nicht, daß Charybdis' offner Schlund den Seher dort 8
Verschlang, in Abgrund ihm Gespann und Wagen riß.
Und andre Feldherrn liegen noch vor Kadmos' Stadt,
Nachdem die Felsen ihr Gebein zerschmetterten.
Nun glaube, wenn du weiser nicht als seus dich ruhmst,
495
Gerecht verderbe Göttermacht den Frevlersinn.
Vor Allem sei der Weise Kind und Eltern hold,
Sei hold dem Vaterlande, das er heben muß
Und nicht verderben! Kühner Feldherr bringt Gefahr
Und kühner Schiffer; wer zu rechter Zeit verzieht,
500
Ist klug. Die Vorsicht nenn' ich wahre Tapferkeit.
Erkennt der Menschen Jammerloos, ihr Thorichten!
540
Ein steter Kampf ist unser Leben: glucklich sind
Die früher, Jene später, Andre sind es nie.
Des Glückes Göttin spielt mit uns; der Leidende
Verehrt sie, daß er glucklich sei; der Glückliche,
Denn er befürchtet, ihn verlass ihr milder Hauch,
545
Erhebt sie preisend. Dies erkennend, zurne nicht
Mit ungemessnem Grolle, wer Unbill erfuhr,
Und übe Nache, die dem Volk unschädlich sei!
Was soll es also weiter? Laß die Todten mich
Begraben, der den Göttern Ehre geben will.
550
Wo nicht, so wirst du sehen, thu' ichs mit Gewalt.
Denn nimmer soll in Hellas' Volk ausgehn das Wort,
Daß, meiner Obhut und Pandions Stadt vertraut, 11
Ein alter heiliger Gottesbrauch geschåndet ward.