Euripides Hecuba 216-440

Edward P. Coleridge (Translator)

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Hecuba. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1891.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by The Annenberg CPB/Project.

Current edition Perseus

Hecuba (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891. (Modernized by Perseus.))

Editions (1)
Ἑκάβη Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902. (Reprinted 1906-1974)) — 216-443 focus
Translations (2)
Hecuba (OCR draft) Experimental (Hecuba. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 216 focus
Sieh dort! Odysseus kommt heran mit raschem Schritt,
Ein neues Wort dir anzukünden, Hekabe.
Erscheinst du nun nicht bose durch dein jezig Thun?
Von mir empfingst du, was du sagst, und thust an mir
Nichts Gutes, sondern Uebles nur, so viel du kannst!
Ihr Brut von Undankbaren, die nach Ehre jagt
250
Im Rath des Volkes! Hått ich euch doch nie gekannt,
Die Nichts es achten, Freunden Böses anzuthun,
Wenn ihr der Menge sagen könnt ein Schmeichelwort!
Doch welchen Trugschluß haben sie denn ausgedacht,
Daß über meine Tochter Tod beschlossen ward?
255
Hat denn die Noth euch Menschenmord zur Pflicht gemacht,
Da mehr ein Stieresopfer auf dem Grabe ziemt?
Und lenkt' Achilleus wider sie mit Recht den Mord,
Indem er tödten wollte, die ihn tödteten?
Hat doch die Jungfrau nie ein Leid ihm angethan.
260
Als Opfer fodern mußt er sich die Helena:
Denn diese führt ihn seinem Tod in Troja zu.
Und wenn ein auserles'nes Weib ihm fallen soll,
Ein ausgezeichnet schones, gilt uns dieses nicht;
Die Tyndaride geht an Reiz uns allen vor,
265
Und minder schuldig ward sie nicht, als wir, erkannt.
Mit solchen Worten kamps ich, wie das Recht mich heißt:
Doch was du, wenn ich's fodre, mir vergelten mußt,
Vernimm! Du fastest, wie du sagst, mir meine Hand,
Berührtest niederfallend mir das greise Kinn:
270
Gleich so beruhr' ich jezo Kinn und Hände dir,
Und gleiche Wohlthat fodr' ich mir, und bitte dich:
Nicht aus den Armen raube mir mein Kind hinweg,
Noch tödtet sie! Der Todten sind ja schon genug.
Froh war ich ihrer und vergaß mein Ungemach;
275
Für Vieles ist sie mir ein Trost, ist Vaterland
Und Pflegerinn mir, treuer Stab und Führerinn.
Wer uns gebeut, gebiete nicht Unwürdiges,
Und wer das Gluck hat, hoffe nicht auf stetes Glück.
Ich hatt' es einst auch, aber nicht mehr hab' ich es;
280
Mein ganzes Gluck hat mir geraubt Ein dunkler Tag.
Du theures Kinn, ich flehe, sich mein Alter an,
Und hab' Erbarmen; gehe hin zu Argos Heer,
Und mahne; schåndlich wäre es, Fraun zu morden, die
Ihr früher nicht gemordet, als ihr vom Altar
285
Sie risset; Mitleid fühltet ihr und schontet sie.
Denn gleiche Sazung straft in eurem Lande ja
Den Mord des freien Mannes und des Sklaven Mord.
Und riethst du schlecht auch, wird sie dein Ansehen doch
Bereden. Wort' aus Edler und Unedler Mund, 1
290
Wenn auch dieselben, haben nicht dieselbe Kraft.
Vernimm, und achte grollend nicht, o Hekabe,
295
Dir Einen feindlich, welcher dir wohlwollend råth.
Ich bin bereit, dich, die du Rettung mir gewährt,
Zu retten; anders, als ich denke, red' ich nicht:
Doch was ich sprach vor Allen, nie verläugn' ich das:
Ich rieth, des Heeres erstem Mann, als Troja fiel,
300
Zu opfern deine Tochter, weil er sie verlangt.
Die meisten Städte sinken schwer dadurch in Noth,
Wenn sich der edel unverdrossen sterbende
Nicht mehr gewinnt an Ehren, als der schlechte Mann.
Doch uns, o Weib, uns ist Achilleus ehrenwerth,
305
Er, der für Hellas ruhmgekrönt sein Leben ließ.
Wohl schåndlich wär' es, wollten wir im Leben nur
Den Freund verehren, aber nicht im Tode mehr.
Was wird man sagen, wenn ein Heer sich wiederum
Versammeln sollte, wenn der Feind den Kampf erhebt?
310
Wird einer kämpfen, oder sich dem Kampf entziehn,
Wenn er den Hingeschiednen nicht geachtet sieht?
Mir selber, hatt' ich Wenig auch für einen Tag,
So lang ich lebe, reicht' es mir für Alles aus:
Doch dieses Eine wünscht' ich mir, mein Grab dereinst
315
Geehrt zu sehen: lange währt ein solcher Dank.
Doch, nennst du dich unglucklich, hore dieses noch:
Nicht minder Unglückvolle sind in unserm Volk,
Als du, bejahrte Männer, alterschwache Fraun,
So manche Braut, des tapfern Bräutigams beraubt;
320
Denn seinen Leichnam deckt der Staub der Troërflur.
Ertrage dieses: wollten wir den edeln Mann
Nicht würdig ehren, blinde Thoren wären wir.
Doch, ihr Barbaren, achtet nur die Freunde nicht
Als Freunde, huldigt ehrenvoll Gefall'nen nicht:
325
So geht es Hellas Volke wohl, und ihr empfangt
Den Lohn vom Schicksal, welcher eurem Sinn entspricht.
Ich seh', Odysseus, wie du schnell in dein Gewand
Die Rechte birgest, und das Angesicht von mir
Wegwendest, daß ich nicht dein Kinn berühren soll.
340
Getrost! Ich rufe nicht den Gott der Flehn'den, Zeus:
Der Noth gehorsam, folg' ich dir auf diesem Pfad,
Und mich verlangt zu sterben; wenn ich's weigerte,
Ich wär' ein Weib nur, welche feig ihr Leben liebt.
Was soll ich leben? König war mein Vater einst
345
Von allen Phrygern: auf des Lebens Höhn gestellt,
Von schöner Hoffnung großgezogen wuchs ich auf,
Die Braut von Fürsten, und von mancher Jünglinge
Sehnsucht umworben, wer mich führ' an seinen Heerd.
Ich Arme thront' als Herrscherinn im Frauenkreis,
350
Vor allen Jungfraun strahlt' ich hoch in Ilion,
Und gleich den Göttern, außer daß ich sterblich war.
Nun bin ich Sklavinn: dieser eine Nam' allein,
Der ungewohnte, macht erwunscht das Sterben mir.
Auch muß ich wohl noch einem unbarmherzigen
355
Gebieter frohnen, der um Geld mich kaufen wird,
Die Schwester Hektors und so vieler Anderen;
Und Mehl zu mahlen zwingt er mich in seinem Haus,
Und sein Gemach zu scheuern, und am Webestuhl
Gebannt zu stehn den leidenvollen Tag hindurch.
360
Ein irgendher erkaufter Sklave schåndet mir
Mein Lager, die sich Fürsten einst ersehn zur Braut.
Nie, nie! Das Licht, das glänzend mir in's Auge dringt,
Frei lass ich's, gebe meinen Leib dem Hades hin.
Auf denn, Odysseus, führe mich den Todesgang!
365
Denn keine Hoffnung seh' ich, kein Gedanke gibt
Vertrauen, daß mir je das Gluck noch lächeln wird.
Doch du, o Mutter, werde mir kein Hinderniß
Durch Thaten oder Worte; nein, begleite mich
Im Tod, bevor unwürdig niedre Schmach mich trifft.
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Ist Einer noch des Leidens Becher nicht gewohnt,
So trågt er, doch mit Schmerzen, was den Nacken drückt;
Gestorben, wär' ein solcher wohl glückseliger,
Als lebend: leben ohne Ruhm ist herbe Qual.
Du sprachest schon, o Tochter; doch dem Schonen ist
Gesellt die Trauer. Müsset ihr gefällig sein
Dem Sohn des Peleus, und entfliehn des Tadels Wort;
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Ja, dann, Odysseus, todtet nicht Polyxena:
Mich führt zu seinem Scheiterhausen, mich durchbohrt,
Nicht mein erbarmt euch! Ich gebar den Paris ja,
Der Thetis Sohne mit dem Pfeil den Tod gesandt.
Gehorche mir, o Mutter! Du, Laërtes' Sohn,
Vergib den Aeltern, wenn mit Recht ihr Zorn entbrennt:
Und du, o Arme, kämpfe mit den Siegern nicht!
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Zur Erde stürzen willst du, willst den greisen Leib
Verwunden, wenn du mit Gewalt vertrieben wirst,
Willst Hohn erdulden, mir entrafft aus jungem Arm? 3
Das sollst du nimmer leiden, solch Unwürdiges!
Doch, traute Mutter, reiche mir die theure Hand,
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Und laß, Geliebte, meine Wang' an deiner ruhn!
Denn nie hinfort mehr, sondern heut zum leztenmal
Soll ich des Lichtes Strahlen schaun, der Sonne Kreis.
Du hörst die lezten Worte nun aus meinem Mund! 4
Mutter, die du mich gebarst, ich geh' hinab, -
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