Euripides Andromache 1231

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

Peleus, der Ehe wegen, die dich mir verband,
1175
Kommt Thetis hier, verlassend Nereus' Wohnungen.
Vor Allem mahn' ich, angste dich nicht allzusehr
Des Mißgeschickes halber, das dich heimgesucht.
Auch ich ja sollte Kinder, nicht zur Trauer mir,
Gebåren, und den Renner, den ich dir gebar,
1180
Verlor ich, Pyrrhos' Vater, Hellas' ersten Sohn.
Warum ich kam, erklär' ich, du vernimm mein Wort.
Den hier, Achilleus' todten Sohn, beerdige,
Die Leiche führend zum Altar, dem pythischen,
Zur Schmach den Delphern, daß sein Grab Verkünder sei
1185
Des freveln Mordes, den Orestes' Hand verübt.
Andromache'n, der kriegsgefangnen Troërin,
Ist ihre Wohnung im Molosserland bestimmt,
Nachdem sie liebend sich vereint mit Helenos, 1
Samt diesem Kinde, das allein aus Neakos'
1190
Geschlecht zuruckblieb, und von dem die Könige
Abstammen, die, sich folgend, über Molossia
Im Glücke herrschen sollen; denn nicht untergehn
Darf hier auf Erden, Alter, dein und mein Geschlecht
Und Troja's; denn auch Troja's Loose kummern ja
1195
Die Götter, ob es Pallas gleich in Staub gestürzt.
Dich aber, daß du meiner Liebe Gunst erkennst,
Will ich, entsprossen einem Gott, und Göttin selbst,
Der Erde Mühn entrücken, und zum Gotte dich 2
Erheben, daß du ewig jung, unsterblich seist.
1200
Du wohnst in Nereus' Hause dann mit mir vereint,
Ein Gott der Göttin zugesellt für alle Zeit;
Und wenn du dorther aus dem Meer den trocknen Fuß 3
Erhebst: Achilleus, unsern Sohn, erblickst du dann,
Den Theuren, der auf schonem Insellande wohnt,
1205
Auf Leuke's User innerhalb Eureinos' 'Flut.
So gehe denn zur gotterbauten Delpherstadt
Mit dieser Leiche; wenn du sie bestattet hast,
So wandle nach der alten Klippe Sepias,
Und harr' in tiefer Grotte, bis vom Meeresgrund
1210
Ich komme mit der fünfzig Nereïden Chor,
Der dich geleitet; denn du mußt das göttliche
Verhängniß tragen, weil es Zeus also gefällt.
Laß ab zu trauern um die Hingeschiedenen;
Denn allen Menschen wurde dies Geschick von Gott
1215
Bestimmt: entrichten müssen sie des Todes Schuld.
(Sie verschwindet.)

Andromache. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

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Translations (1)
Andromache (OCR draft) Experimental (Andromache. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Notes on the current edition

Andromache

1. [OCR note; compare the printed page.] Nach Helenos, einem Sohne des Priamos, der König im Molofferlande ward, herrschte Molottos, Andromache's Sohn, daselbst. Compare printed p. 349
2. [OCR note; compare the printed page.] Anders: Zum Gotte machen, daß du niemals alterst, und Unsterblich fortlebst, allem Erdenleid entrückt. Compare printed p. 349
3. [OCR note; compare the printed page.] den trocknen Fuß: ein Zeichen der Göttlichkeit. Compare printed p. 349
4. [OCR note; compare the printed page.] Unders: Dem Gram gebiet' ich, Herrscherin, auf dein Geheiß. BAYERISCHE STAATS- BIBLIOTHEK MUENCHEN Compare printed p. 349