Euripides Andromache 1085

Johann Jakob Christian Donner (Translator)

Nachdem in Phobos' hehrem Siz wir angelangt,
Da weihten wir drei klare Sonnenlaufe froh
Dem Schauen, unsrer Augen Blick ersättigend.
Und schon verdächtig war es, daß in Haufen sich
Das Volk zusammenstellte, das beim Gotte wohnt.
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Der Sohn des Agamemnon schritt hindurch die Stadt,
Und raunte feindlichbittre Wort' in jedes Ohr:
„Erblickt ihr ihn, der durch des Gottes Heiligthum,
Das golderfüllte, durch der Männer Schaze geht?
Zum zweitenmale kommt er, wie zuvor er schon
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Hierher gekommen, auszutilgen Phobos' Haus!"
Und nun erhob sich durch die Stadt ein böser Ruf:
Zur Rathsversammlung einten flugs die Häupter sich;
Auch stellten, die des Gottes Schaz verwalteten,
Im såulumringten Heiligthum Schuzwachen aus.
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Doch wir empfingen Schafe, die Parnassos' Laub
Ernährt, (von diesen Dingen war uns Nichts bekannt)
Und gingen dann mit Freunden und den pythischen
Orakeldeutern nach Apollons Opferherd.
Und Einer sagte: „Was, o Jungling, sollen wir
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Vom Gotte dir erbitten? Weßhalb kamest du?“.
Doch Pyrrhos sprach: „Wir kommen, um die fruh're Schuld
Dem Phobos abzubůßen; denn ich forderte
Ihn einst um meines Vaters Tod zur Rechenschaft."
Nun kam's zu Tage, was Orestes' boses Wort
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Vermochte, daß mein König unwahr rede, daß
Er Schnides sinne. Pyrrhos geht in's Heiligthum
Hinein des Tempels, vor dem Götterspruche noch
Zu flehn dem Phobos, und entflammt der Opfer Glut;
Doch nahe stand ihm eine Schaar Gewaffneter, 1
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Verhüllt vom Lorbeer; ihrer Einer war der Sohn
Des Agamemnon, der die Tücken all' ersann.
Und er, gesehn von Allen, fleht' Apollon an;
Doch sie, mit scharfem Stahl bewehrt, verwundeten
Achilles' Sohn, den waffenlosen, unvermerkt.
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Da weicht er rückwärts, (denn zum Tode war er nicht
Verwundet,) und entzieht sich, und entrafft sofort
Das Wehrgeräthe, das am Pflock der Säule hing,
Trat dann zum Altar, fürchterlich im Waffenschmuck,
Und ruft die Söhne Delphi's, also fragend, an:
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„Was wollt ihr mich ermorden, der auf frommem Pfad
Gekommen? Was verbrach ich, daß ich sterben soll?"
Doch Keiner unter Tausend, die ihm nahe sind,
Erwiedert' Etwas; Steine warf die ganze Schaar.
Von dichtem Hagel ringsumher getroffen, hielt
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Er seine Wehr vor, und vermied die Würfe wohl,
Hierhin und dorthin mit der Hand den Schild gestreckt.
Doch Nichts vermocht' er; denn Geschoss und Pfeile viel
Auch Opferspieße, Lanzen, doppelschneidige
Wurfspeere fielen ihm zumal vor die Füße hin.
1085
Nun hatt'st du grausen Waffentanz gesehen, wie
Dein Sohn die Pfeil' abwehrte. Doch da jene nicht
Zu athmen ihm vergönnten, rings umdrångend ihn,
Verließ er flugs den opserfrohen Weihaltar,
Und sprang den schnellen Troërsprung, und schritt auf sie 2
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Zum Kampfe selbst an; aber gleich Waldtauben, die
Den Habicht sahen, wandten sie zur Flucht sich um.
Und Viele sanken dort und hier, verwundet die,
Von Andern Andre am engen Ausgang hingestreckt.
Und aus dem heiligen Hause scholl ein grauser Schrei,
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Und klang vom Felsen wieder; doch voll heitern Muths,
In hellen Waffen blizend, stand der König da,
Bis aus des Heiligthumes Mitt' hervor ein Mann
Laut rief in Schauertönen, und zu neuem Kampf
Die Männerschaar aufregte. Da, von scharfem Stahl
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Durchbohrt die Seiten, fållt Achilleus' edler Sohn
Durch einen Delpher, welcher ihn ermordete
Mit vielen Andern. Als er hin zur Erde sank,
Wer schwang das Schwert nicht, hob den Stein nicht über ihm,
Dort schlagend, hier zerschmetternd? Ueberall zerfleischt
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Von grausenvollen Wunden wird der schöne Leib.
Ihn, der, gemordet, nahe bei'm Altare lag,
Warf aus dem weihrauchduftenden Heiligthum die Schaar.
Doch unsre Hånd' ergriffen ohne Säumen ihn,
Und bringen dir den Todten, daß du klagst um ihn,
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Und ihn beweinst, Herr, und mit Grabesehren schmuckst.
So that der Gott, der Andern Weisheitskunde lehrt,
Und alle Menschen richtet mit Gerechtigkeit,
Dem Sohn Achilleus', welcher büßt um alte Schuld,
Und noch, nach böser Menschen Art, erinnert' er
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Sich alter Zwiste. Wie denn sollt' er weise sein?

Andromache. Euripides. Johann Jakob Christian Donner (Translator). . .

Current edition Experimental

German (J. J. C. Donner, 1845; OCR review) (OCR draft) (German) (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 2, Heidelberg: C. F. Winter, 1845. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.)

Provisional text from uncorrected OCR; expect errors.

Editions (1)
Ἀνδρομάχη Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 1047-1165 focus
Translations (2)
Andromache Perseus (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. II. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1891.) — 1047-1165 focus
Andromache (OCR draft) Experimental (Andromache. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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Notes on the current edition

Andromache

1. [OCR note; compare the printed page.] ξ. ἆρ' Ι. ἄγχ'. ;,1066. In der Nähe des heiligen Dreifußes stand ein Lorbeerbaum. Compare printed p. 349
2. [OCR note; compare the printed page.] Vielleicht eine Anspielung auf den Sprung des Achilleus aus dem Schiffe an's Land, der das Meer am Gestade auffluten machte, und wovon eine Ufergegend bei Troja Achilles ſprung genannt wurde. Compare printed p. 349