Euripides Medea 1002-1250

Edward P. Coleridge (Translator)

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Medea. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Medea (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.)

Editions (1)
Μήδεια Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 1002-1250 focus
Translations (2)
Medea (OCR draft) Experimental (Medea. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 1002 focus
Vom Banne sind, o Herrinn, deine Söhn' erldst,
Und froh empfing die königliche Braut von uns
Die Gaben: Friede haben nun die Kinder dort.
980
Ach!
Was aber thu' ich? Soll man mich verlachen, daß
Ich meine Widersacher
ungestraft entließ?
Es muß gewagt sein! Ueber mich Feigherzige,
1025
Den weichen Worten Raum zu leihn in meiner Brust!
Geht, Kinder, geht in's Haus hinein! Wem's nicht geziemt,
Dem Opfer anzuwohnen, der entferne sich:
Nicht durch ein feig Erbarmen schand' ich meine Hand.
Ach, ach!
Nein, nein, o Seele, denke dies Verwegne nicht!
1030
Dlaß die Kinder, schone sie, Unselige!
Mit dir im Banne lebend, sind sie Wonne dir.
Nein, bei den Rachegeistern dort in Hades' Nacht!
Nie soll's geschehen, daß ich meine Kinder selbst -
Hingåbe, meiner Widersacher Spott zu sein!
1035
Das ist beschlossen, das besteht unwandelbar.
Auf ihrem Haupte ruht der Kranz, die Fürstenbraut
Stirbt schon in meinem Kleide, sicher weiß ich das.
So geh' ich nun den jammervollsten Weg dahin,
Und diese send' ich einen jammervollern noch.
1040
Ich will die Söhn' anreden. Reicht, o Kinder, reicht
Der Mutter eure Rechte, sie zu küssen, dar.
liebe Hände, lieber Mund, liebreizende
Gestalt, o meiner Kinder edles Angesicht!
Ja, werdet glucklich, aber dort! Der Erde Glück
1045
Nahm euch der Vater. Lieblich hold Umfangen, ach,
Du süßer Hauch des Athems, weicher. Wangen Roth!
Geht, geht, o Kinder; nimmermehr vermag ich es,
Euch anzublicken, ich erliege meinem Leid.
Wohl fühl ich, welchen Grauel ich vollbringen will;
1050
Doch über mein Erbarmen siegt des Zornes Wuth,
Die stets die größten Leiden bringt den Sterblichen.
(ab mit den Kindern in den Palast.)
In die Tiefen der Weisheit hab' ich mich oft
Schon sinnend vertieft, und kecker gekämpft,
zu durchforschen die Wahrheit, als es geziemt
1055
Dem Geschlechte der Fraun: denn Sinn und Geist
Ward uns auch verliehn, und die Muse besucht,
Lehrt Weisheit uns, - nicht jegliche zwar;
Denn wenige der Art fåndest du wohl
In der Menge heraus:
1060
Wir lieben die Künste der Musen.
So sag' ich es denn: ein Sterblicher, der
Unkundig der Eh' hinlebt und nie
Nachkommen erzeugt, ist glucklicher, als,
Der Kinder erzielt.
1065
Wer keine gezeugt, lebt, sicher und frei
Von mancherlei Mühn, sein Leben dahin;
Er erfuhr niemals, ob, Vater zu sein,
Uns Freud', ob Kummer bereite.
Wem aber im Haus ein holdes Geschlecht
1070
Von Kindern erbluht, den seh' ich verzehrt
Von Bekümmerniß all sein Leben hindurch.
Erst muß er sorgen, sie gut zu erziehn,
Und woher er schaffe des Lebens Bedarf;
Dann weiß er niemals, ob er sich auch
1075
Für wackere, nicht
Für entartete Kinder geängstigt.
Doch Eins noch nenn' ich von Allem zulezt,
Für die Sterblichen all' ein hartes Geschick.
Zu genügendem Wohlstand kam er empor,
1080
Untadelich blühn, vollkräftig erstarkt,
Ihm die Söhne heran: zeigt nun sich ein Gott
Feindselig, wie hier, dann raffet der Tod
In des Hades Nacht ihm die Kinder hinab.
Was frommt's nun, daß zu dem übrigen Leid
1085
Auch dies noch, diesen entsezlichsten Schmerz
Um der Kinder Verlust,
Uns Sterblichen fügen die Götter?
Schon lang des Ausgangs harr' ich hier, geliebte Fraun,
Und blicke nach dem Hause, wie's dort enden wird.
1090
Doch nun gewahr' ich einen dort sich nähern uns
Der Diener Jasons; sein erregter Athem zeigt,
Er wird ein neues Uebel uns verkündigen.
Als mit dem Vater deiner Söhne Paar erschien,
Und in der Braut Gemächern eingetreten war;
1110
Da freuten wir uns, die betrübt dein Ungemach,
Wir Sklaven: vielfach raunten wir uns gleich in's Ohr,
Du mit dem Gatten hast entsagt dem alten Zwist.
Der küßt die Hände, jener küßt das blonde Haupt
Der Knaben; und ich folge selbst ihm freudenvoll
1115
Mit deinen Kindern nach der Fraun Gemächern hin.
Die Herrinn, die wir ehren jezt an deiner Statt,
Ließ, eh sie deiner Söhne Paar ansichtig ward,
Auf Jason freudig liebevoll ihr Auge ruhn;
Doch nun verhüllte sie sofort ihr Angesicht,
1120
Die weißen Wangen wandte sie voll Scheu zurück,
Als deine Söhn' eintraten: aber dein Gemahl,
Bemüht, der Jungfrau Zurnen abzuwehren, sprach
Die Worte: „feindlich hasse nicht die Freunde mehr,
Laß ab zu grollen, wende mir dein Auge zu,
1125
Und achte die für Freunde, die dein Gatte liebt:
Nimm ihre Gaben, flehe, daß dein Vater, mir
Zuliebe, meinen Kindern hier den Bann erläßt."
Da sie den Schmuck erblickte, hielt sie nimmer sich,
Versprach dem Gatten Alles, und bevor er noch
1130
Mit deinen Kindern weit entfernt vom Hause war,
Nahm sie das bunte Festgewand und legt' es an,
Und auf die Locken sezte sie den goldnen Kranz,
Trat vor den blanken Spiegel dann, und ordnete
Das Haar, und lächelt' heiter an ihr todtes Bild.
1135
Vom Throne drauf erstand sie und durchwandelte
Die Halle, leicht hinschreitend mit dem weißen Fuß,
Und überfroh der Gaben, oft und manchesmal
Das Auge weidend an der hohen Wohlgestalt.
Nun aber war ein kläglich Schauspiel anzusehn.
1140
Denn schnell die Farbe wechselnd, taumelt sie zurück,
An allen Gliedern bebend, und gelangte kaum
Zum Throne wankend, eh sie ganz zu Boden sank.
Und eine graue Dienerinn (sie glaubte wohl,
Pan's oder andrer Götter Zorn walt über ihr,)
1145
Erhob ein lautes Beten, bis sie weißen Schaum
Um ihre Lippen, und den graf verdrehten Blick
Der Augen, und die Wangen sah blutlos und bleich.
Da stöhnt sie bittre Klagen aus statt eifriger
Gebete: gleich lief Eine nach des Vaters Haus,
1150
Die Andre nach dem neuvermählten Eheherrn,
Das Leid der Braut zu melden; und von eilenden
Fußtritten drohnte ringsumher das ganze Haus.
Nun hatt' ein rascher Läufer wohl das Ziel erreicht,
Der auf der weitgestreckten Bahn die Füße hebt:
1155
Da fuhr die Jammervolle, die lautlos und starr
Mit zugeschlossnen Augen lag, wildstihnend auf;
Denn doppelt zog Verderben wider sie heran.
Der goldne Kranz um ihre Schlafe, (wunderbar!)
Er stromte Glut von allverzehrendem Feuer aus;
1160
Das feine Kleid, das deine Kinder ihr verehrt,
Schmiegt' an der Armen weißes Fleisch sich zehrend an.
Sie flieht, vom Thron' aufspringend, durch die Flamm' erfaßt,
Und schuttelt hierhin, schuttelt dorthin Haupt und Haar,
Den Kranz hinwegzuschleudern; doch fest hafteten
1165
Des Goldes Fesseln, und es flammt', indessen sie
Die Locken schuttelt, zweimal noch so stark die Glut.
Sie stürzt, erliegend ihrem Leid, zur Erde hin,
Unkenntlich Allen, nur erkannt vom Vater noch;
Denn weder sah man ihrer Augen Lage, noch
1170
Ihr edles Antliz, und das Blut entsprudelte
Der Scheitel und vermischte mit dem Feuer sich;
Wie Fichtenthrånen, troff das Fleisch, vom Körper sich
Ablåsend, durch des Giftes unsichtbare Wuth;
Ein klåglich Schauspiel! Anzurühren scheun wir uns
1175
Die Todte; denn vorsichtig macht' uns ihr Geschick.
Dem armen Vater ahnte Nichts von solchem Leid;
Zum Hause kommt er eilend, sinkt zur Todten hin,
Und stöhnt in bittern Klagen, und umschlingt und küst
Den Leichnam, also sprechend: „unglückselig Kind!
1180
Ha, welche Gottheit hat so schmachvoll dich entseelt,
Wer dich dem Greise, der am Rand des Grabes steht,
Geraubt? D Tochter, wehe, stürb' auch ich mit dir!"
Als er zu klagen und zu jammern aufgehört,
Emporzurichten strebt' er da den greisen Leib;
1185
Doch, wie der Epheu an des Lorbers Zweigen, hing
Er fest am Kleide: nun begann ein grauser Kampf.
Sein Knie herauszuziehen müht der Alte sich,
Sie zog es rückwärts; rang er dann gewaltiger,
So riß er zerrend sich das Fleisch vom Körper ab.
1190
Zulezt erlosch das Leben und der Geist entfloh 1
Dem Armen; nicht mehr siegt er über sein Geschick.
Nun liegen sie, die Tochter und der Vater, todt
Beisammen: thränenwürdig ist ein solches Loos8.
Zu rathen, was dir frommen mag, enthalt ich mich;
1195
Denn selbst erkennst du, wie du deiner Straf entrinnst.
Doch nicht zuerst heut acht' ich alles Menschliche
Für einen Schatten, und erkläre sonder Scheu:
Die klug sich dunken und mit Rednereien viel
Sich wissen, seh' ich als die größten Thoren an.
1200
Denn auf der Welt lebt Keiner, der glückselig ist;
Und stromte Reichthum dir in Fülle zu, du magst
Vor Andern glücklich, aber nie glückselig sein.
Die Götter scheinen vieles Leid an diesem Tag
Auf Jasons Haupt zu häufen, und mit vollem Recht.
1205
Tochter Kreons, Arme, wie beklagen wir
Dein Jammerschicksal, die hinab zum Thore wallt
Des Schattenlandes, weil sie Jasons Gattinn ward!

Notes on the current edition

Medea

1. ἔα. in line 1005 attributed to the Attendant in the Greek.
2. Reading πρόεσθαι for which Badham proposes πρόσεσθαι, indulge my mind in gentle thoughts.
3. At Athens.
4. Reading κυρήσει (Ald. et. Schol.). The MSS. vary between κυρήσας, σαι, σει.
5. τένοντ’ ἐς ὀρθὸν σκοπουμένη, (1) she stretches out her foot to see how the robe falls over it (Paley), (2) she stands on tiptoe and looks back to see how the dress hangs behind = erecto pede (Pflugk)
6. Any sudden seizure was ascribed to Pan’s agency.
7. The reading is doubtful, still more the meaning. The conjecture ἀνελθών is adopted here, with Musgrave’s ἂν ἥπτετο for ἀνθήπτετο, ἀνελθὼν κῶλον ἑκπλέθρου δρόμου. This would mean, her swoon lasted as long as a man would take to go and return the distance of six plethra. The κῶλον then must be the limb, lap of the course up to the turning post.
8. The construction is intentionally irregular. Her emotion prevents a grammatical completion of the sentence.