Euripides Alcestis 606-860

Edward P. Coleridge (Translator)

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Alcestis. Euripides. Edward P. Coleridge (Translator). London. 1906.

Sponsored by Perseus Project, Tufts University.

Funding provided by Tufts University.

Current edition Perseus

Alcestis (English) (Euripides. The Plays of Euripides, Vol. I. Coleridge, Edward P., translator. London: George Bell and Sons, 1906.)

Editions (1)
Ἄλκηστις Perseus (Euripides. Euripidis Fabulae, Vol. I. Murray, Gilbert, editor. Oxford: Clarendon Press, 1902.) — 606-860 focus
Translations (2)
Alcestis (OCR draft) Experimental (Alcestis. Robert Potter's English verse translation, first published in 1781–1783; text from the 1808 Oxford printing.)

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German (J. J. C. Donner, 1841; OCR review) (OCR draft) Experimental (Euripides. Deutsch in den Versmaßen der Urschrift. Volume 1, Heidelberg: C. F. Winter, 1841. Harvard OCR compared with an independent BSB copy. Native Donner verse citations, Murray reference cards, explicitly located notes and page facsimiles. Unresolved OCR, verse divisions, unlocated notes and printed errata are documented in the source review.) — 606 focus
Ihr Männer Pherd's, die so liebevoll genaht,
Die Todte hat nun Alles, und hoch tragen sie
590
Zum Scheiterhausen und zum Grab die Diener schon.
Ihr aber grüßt nach hergebrachter Sitte sie,
Die nun vom Hause wallt hinaus den lezten Gang!
Von mir geladen kommst du nicht zu diesem Grab,
Noch nenn' ich deine Gegenwart willkommen mir.
Sie wird mit deinem Schmucke niemals angethan;
Begraben wird sie und bedarf des Deinen nicht.
615
Dir ziemte Mitleid, als der Tod mich jüngst umfing:
Da standst du fern' und ließest Andre sterben, du,
Der Greis die Jüngern, und beklagst die Todte nun!
Fürwahr, du bist mein achter Vater nicht, noch hat
Sie mich geboren, die sich meine Mutter nennt,
620
Und so genannt wird; nein, erzeugt aus Sklavenblut,
Ward ich geheim an deines Weibes Brust gelegt.
Wohl hat die Prüfung, wer du bist, geoffenbart,
Und nimmer kann ich glauben, daß du mich gezeugt.
Gewiß, an Feigheit übertriffst du Jedermann:
625
Du, so bejahrt, an deines Lebens Ziele schon,
Du wolltest weder, noch getrautest dir, den Tod
Für deinen Sohn zu leiden, sondern ließest hier
Die Fremde sterben, die allein als Mutter ich,
Als meinen Vater achten darf mit vollem Recht.
630
Du håttest gleichwohl einen schonen Kampf gekämpft,
Statt deines Sohnes sterbend; war doch kurze Zeit
Nur übrig, die zu leben dir verstattet war;
Und ich und diese lebten noch fortan vereint,
Und nicht vereinsamt weint' ich über mein Geschick.
635
Was immer widerfahren mag dem Glücklichen,
War dir geworden: noch ein Jungling, herrschtest du;
Ich war, dein Sohn, in diesem Hause Folger dir;
So, kinderlos nicht sterbend, hinterließest du
Nicht als die Beute Fremder dein verwaistes Haus.
640
Auch kannst du wohl nicht sagen, daß dein Alter ich
Verhdhnt, und du mich dieserhalb verrathen hast;
Ich ehrte dich aus's hochste; dafür hast du mir,
Und hat die Mutter mir gelohnt mit solchem Dank.
Doch andre Kinder zeugst du wohl nicht mehr so schnell,
645
Die deines Alters pflegen, und im Tod dereinst
Noch deinen Leichnam schmücken und beerdigen.
Denn ich begrabe nimmer dich mit meiner Hand.
So viel an dir lag, bin ich todt; und leb' ich noch,
Und ward ein Andrer Retter mir, so nenn' ich gern
650
Mich dessen Sohn, will seines Alters Pfleger sein.
Vergeblich wunschen sich den Tod die Greise doch,
Das Alter scheltend und des Lebens lange Zeit;
Sobald der Tod sich nähert, wünscht Niemand sich mehr
zu sterben, und das Alter ist ihm keine Last.
655
Wen, einen Lyder oder Phryger, den du dir
Um Geld erkauftest, wahnst du so zu schelten, Sohn?
Nicht weißt du, daß ich ein Thessaler bin und frei,
660
Sohn eines freien Vaters aus Thessalia?
Bu sehr beschimpfst du, hohnst mit Knabenworten mich;
Doch ungeahndet sollst du mir nicht weiter ziehn.
Ich habe dich als dieses Hauses Herrn erzeugt,
Nach Pflicht erzogen; sterben must' ich nicht für dich. 1
665
Denn weder Ahnensitte, noch Hellenenbrauch
Gebot dem Vater, daß er stürb' an Sohnes Statt.
Dir selber, ob du glucklich, ob unglucklich seist,
Lebst du; von uns empfingst du, was gebührte dir.
Du herrschest über Viele, wirst der Fluren viel
670
Noch erben, wie mein Vater sie mir hinterließ.
Wo that ich Unrecht, wo beraubt' ich also dich?
Stirb du für mich nicht, aber ich auch nicht für dich.
Du freuest dich des Lebens; und ich sollt' es nicht?
Das Leben unten, mein' ich, traun! währt lange Zeit;
675
Das Erdenleben dauert kurz, ist aber suß.
Du hast ja schamlos vor dem Tode dich gestraubt,
Und lebest über dein beschiednes Loos hinaus,
Die Gattinn tödtend; dennoch rückst du feigen Sinn
Mir vor, du Feigſter, den besiegt ein schwaches Weib,
680
Das dir, dem schönen Knaben, sich geopfert hat?
Ein Mittel, nie zu sterben, hast du schlau erdacht,.
Wenn dir die Gattinn jedesmal gewärtig ist,
Für dich zu sterben; und du schmähst die Freunde noch,
Die dieses nicht thun wollen, da du selber zagst?
685
Sei still; bedenke, wie du selbst dein Leben liebst,
So lieben All' es; aber schmähst du ferner uns,
So hörst du noch viel Arges und manch wahres Wort.
Sprich so wie ich gesprochen; wenn das wahre Wort
Dich schmerzt, so mußtest du dich nicht vergehn an mir.
Du muthvoll duldende, beste der Fraun,
Heil, Edelste, dir! Es empfange mit Huld
725
Dich Hermes drunten und Hades dich!
Wird Edeln auch dort mehr Gutes zu Theil,
So genieße des Glücks,
An der Seite Persephone's thronend !
(ab.)
Schon viele Fremde sah ich und aus manchem Land
730
In's Haus Admetos' kommen, die bedienend, ich
Auftrug die Mahlzeit; aber keinen schlimmern noch,
Als diesen Fremdling, nahm ich auf an unserm Heerd.
Er trat, obwohl er unsern Herrn in Trauer sah,
Herein, und trozig schritt er durch das Thor daher.
735
Die dargebotnen Gastgeschenke nahm er dann,
Vom Leide hdrend, keineswegs bescheidentlich,
Und wenn wir was nicht brachten, trieb er uns darum.
Den Epheubecher faßt er drauf mit seiner Hand,
und trinkt der schwarzen Reben unvermischten Saft,
740
Bis ihn des Weines aufgestiegne Glut erhizt.
Mit Myrtenzweigen kränzt er dann die Stirne sich,
Und brüllte wild auf; nun erscholl ein doppelt Lied.
Denn unbekümmert um das Leid, das dieses Haus
Betroffen, sang er, und wir Diener jammerten
745
Um unsre Fürstinn; doch dem Fremdling zeigten wir
Kein feuchtes Auge: so gebot Admetos uns.
Und nun bewirth' ich im Palast den Fremden da,
Der wohl ein Straßenräuber ist, ein schlauer Dieb.
Sie hat das Haus verlassen, und ich folgte nicht,
750
Noch streckt' ich aus die Hände, noch bejammerte
Die Königinn, die mir und Allen Mutter war
Im Hause; tausend Uebel wehrte sie von uns,
Des Mannes Zorn erweichend. Hass ich also nicht
Mit Recht den Fremdling, der in solchem Leide kam?
755
Du, was so düster blickst du drein und sorgenvoll?
Der Diener muß nicht murrisch gegen Fremde sein;
Nein, mit gefällig holdem Sinn empfang' er sie.
Du siehest einen Freund des Herrn erscheinen hier,
Und finster, mit gefurchter Stirn' empfängst du den,
760
Und denkst allein der Fremden, die im Hause starb.
Komm her, damit du lernest kunstig weiser sein.
Kennst du das Menschenleben, welcher Art es ist?
Ich glaube nicht; woher auch? Höre denn mich an!
Den Menschen allen ist verhängt des Todes Loos,
765
Und ihrer keinem wurde noch geoffenbart,
Ob nur der Tage nächster ihn am Leben trifft.
Denn dunkel ist, wohin des Schicksals Wege gehn,
Und nicht erlernbar, und die Kunst enthüllt es nicht.
Nachdem du dies vernommen und gelernt von mir;
770
Erheitre dich und trinke, rechne diesen Tag
Für dein, das Andre für des Schicksals Eigenthum.
Ehr' auch Kythere, die vor allen Göttinnen
Lieb ist den Menschen, weil sie hold und gnädig ist.
Das Andre, laß es fahren, und gehorche dem,
775
Was ich geredet, glaubst du, daß ich Wahres sprach;
Ich glaub' es: laß dies allzuviele Gråmen denn,
Tritt über diese Schwelle, Freund, trink' eins mit uns,
Die Stirn bekränzend; und ich weiß, der perlende
Wein, der im Becher sprudelt, wird den finsteren,
780
Den jezt so traurig starren Geist umwandeln dir.
Sterblichen geziemt es, sterblich auch gesinnt zu sein;
Denn allen Mürrischernsten und Trübsinnigen
Ist wahrlich, wenn ich sagen soll, wie mir's bedünkt,
Das Leben nicht ein Leben, sondern eine Qual.
785
So hat mein Gastfreund denn an mir nicht wohlgethan?

Notes on the current edition

Alcestis

1. Nauck brackets this line as spurious.
2. Nauck refuses to credit Euripides with lines 638 and 639.
3. Lines 651 and 652 are bracketed by Nauck as spurious.
4. Reading φρενῶν, which Nauck, however, doubts.
5. There is some doubt whether the next four lines are genuine. Nauck brackets them.