ponnesier gegen Tissaphernes aus Vershciedenen Gründen, nament
lich wegen der Rückkunft des Alkibiades, worin sie einen deut
lichen Beweis seiner nunmehrigen Athenerfreundschaft erblickten,
im höchsten Grade verstimmt waren, machte dieser, anshceinend
doch, weil er sich in ihren Augen von diesem Verdacht reinigen
wollte, endlich Anstalt, sich zur phönizischen Flotte nach Aspendos
zu begeben, und bat Lichas, ihn dahin zu begleiten. Während
seiner Abwesenheit, sagte er, sollte Tamos, sein Unterstatthalter,
dafür sorgen, daß der Sold für das Heer gezahlt würde. Die
Berichte hierüber lauten verschieden; auch ist es in der Tat
nicht recht verständlich, wozu er sich nach Aspendos begab und
die Flotte dann doch nicht mitbrachte. Daß die phönizische
Flotte, hundertsiebenundvierzig Segel stark, bis nach Aspendos
gekommen war, unterliegt keinem Zweifel. Weshalb sie aber
nicht weiter kam, darüber herrschen mancherlei Vermutungen.
Die einen meinen, er habe die Reise unternommen, um die
Peloponnesier hinzuhalten und sie, wie das ja in seinem Plane
lag, dadurch zu schwächen, wenigstens zahlte Tamos, dem das
aufgetragen war, den Sold nicht besser, sondern nur noch
schlechter als vorher; andere, er habe die Phönizier nur des
halb nach Aspendos kommen lassen, um hier für ihre Entlassung
Geld von ihnen zu erpressen, und gar nicht daran gedacht, sie
wirklich zu verwenden; noch andere, es sei ihm wegen der nach
Lakedämon gelangten nachteiligen Gerüchte darum zu tun ge
wesen, sich dort in den Ruf zu setzen, daß er es nicht an sich
fehlen lasse und dies durch seine Abreise zu der ja unzweifelhaft
schlagfertigen Flotte denn doch deutlich genug bewiesen habe.
Nach meiner Meinung hat er die Flotte wahrscheinlich doch
wohl deshalb nicht mitgebracht, weil er die Griechen hinhalten
und schwächen wollte; während er dort blieb und auf sich warten
ließ, sollten sie mürbe werden und, indem er sich auf keine
Seite schlug, einander nicht über den Kopf wachsen; denn
daß er, wenn er gewollt, den Krieg hätte entscheiden können,
unterliegt wohl keinem Zweifel. Wäre er mit der Flotte ge
kommen, so hätte er den Lakedämoniern unfehlbar zum Siege
verholfen, da sie in dem Augenblick zur See jedenfalls nicht
schwächer waren als die Athener, sondern ihnen mindestens
gewahcsen waren. Schon der Grund, den er dafür anführte,
daß er die Flotte nicht mitgebracht, war fadenscheinig. Er
sagte nämlich, es wären dort nicht so viel Schiffe beisammen
gewesen, wie t)er König befohlen. Auf dessen Dank hätte er
doch sicherlich um so mehr rechnen können, wenn er ihm nicht
noch große Kosten gemacht, sondern schon mit geringeren Mitteln
dasselbe zuwege gebracht hätte. Kurzum, Tissaphernes begab
sich, gleichviel in welcher Absicht, nach Aspendos und traf dort
mit den Phöniziern zusammen, und auf seinen Wunsch ließen
die Peloponnesier Philippos mit zwei Trieren zu deren Flotte
stoßen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
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