zum erstenmal von neuem zum Kriege rüsteten, ershcienen in
diesem Winter zuerst Gesandte der Euboier bei Agis, um
wegen ihres Abfalles von den Athenern mit ihm zu verhandeln.
Er ging auf ihre Anträge ein und ließ Alkamenes, Stenela'idas'
Sohn, und Melanthos zur Übernahme des Befehls auf Euboia
aus Lakedämon kommen. Die kamen auch mit etwa dreihundert
Neodameden bei ihm an, und er machte schon Anstalt, sie nach
der Insel überzusetzen. Inzwischen aber fanden sich auch
Lesbier bei ihm ein, die ebenfalls abfallen wollten. Da die
Böotier sich für sie verwandten, ließ Agis sich bereden, Euboia
vorläufig aufzugeben, um zunächst den Aufstand der Lesbier
zu unterstützen. Er gab ihnen Alkamenes, der eben nach Euboia
abfahren wollte, zum Statthalter, die Böotier aber und Agis
selbst versprachen ihnen je zehn Schiffe zu schicken. Bei alle
dem war die lakedämonische Regierung nicht zugezogen worden.
Denn so lange Agis mit seinem Heere bei Dekeleia stand,
war er selbständig befugt, Truppenteile zu verschieben oder
zusammenzuziehen und Gelder einzutreiben. Auch hörten die
Bundesgenossen zu der Zeit im Grunde mehr auf ihn als auf
die Regierung in Lakedämon; denn er mit seinem Heere war
jeden Augenblick in der Lage, ihnen auf die Kappe zu kommen.
So nahm er sich auch jetzt der Lesbier an. Die Chier und Ery
thraier dagegen, welche ebenfalls abfallen wollten, wandten
sich nicht an Agis, sondern nach Lakedämon. Zugleich mit
ihnen erschien dort ein Gesandter des Tissaphernes, der da
mals Satrap des Königs Dareios, Artaxerxes' Sohn, im
Küstengebiete war; denn auch Tissaphernes wünschte mit den
Peloponnesiern anzuknüpfen und versprach, ihnen Lebensmittel
zu liefern. Der König hatte nämlich kürzlich die Steuern aus
seiner Provinz von ihm gefordert, die er der Athener wegen
von den griechischen Städten nicht erheben konnte und noch
schuldig war. Nun hoffte er, nach Demütigung der Athener
eher zu jener Steuer zu gelangen, zugleich aber die Lakedämonier
zu Bundesgenossen des Königs zu machen, auch Amorgos, den
natürlichen Sohn des Pissuthnes, der sich in Karien unab
hängig gemacht hatte, dem ihm erteilten Befehle des Königs
gemäß lebendig ausliefern oder hinrichten lassen zu können.
Die Chier und Tissaphernes zogen also hierin einen Strang.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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