brechen. Phrynichos aber, der von Leros genauere Nachrichten
über die feindliche Flotte erhalten hatte, erklärte seinen Mit
feldherren, die bleiben und eine Schlacht liefern wollten, er
werde das nicht tun und es, soviel an ihm sei, ebensowenig
ihnen noch sonst jemand gestatten. Wo man die Möglichkeit
habe, später mit genauer Kenntnis der Zahl der feindlichen
und der gegen sie verwendbaren eigenen Schiffe gehörig ge
rüstet mit entsprechenden Kräften zu schlagen, dürfe man sich
niemals aus Furcht vor übler Nachrede gegen die bewährten
Grundsätze der Kriegführung zu einer Schlacht verleiten lassen.
Die Athener brauchten sich nicht zu schämen, einer Seeschlacht
unter Umständen aus dem Wege zu gehen; unter allen Um
ständen sei es für sie weit schimpflicher, die Schlacht zu ver
lieren, auch würde das ihrer Stadt nicht nur zur Schande,
sondern auch zur größten Gefahr gereichen. Würde sie sich
doch nach den erlittenen Niederlagen selbst bei der trefflichsten
Rüstung kaum oder höchstens im äußersten Notfall freiwillig
unterfangen dürfei, irgendwo zuerst anzugreifen. Wie dürfe
man sie nun gar ohne Not Gefahren aussetzen, die man sich
selbst zugezogen? Er empfahl also, die Verwundeten, die
Truppen und was sie an Gepäck bei sich führten, unverzüglich
an Bord zu bringen, die in Feindesland gemachte Beute aber,
nm die Schiffe nicht zu sehr zu beshcweren, dazulassen und
nach Samos abzufahren, um von dort, sobald die ganze Flotte
beisammen, den Kampf bei guter Gelegenheit wieder aufzu
nehmen. Und was er wollte, setzte er auch durch. Phrynichos
aber bewährte sich sowohl bei dieser Gelegenheit wie auch später
in anderen Stellungen als ein einsichtiger und verständiger
Mann. Dergestalt zogen die Athener, obne ihren Sieg aus
zunutzen, gleich an dem Abend von Milet ab, und die Argeier
fuhren aus Arger über ihre Niederlage von Samos schleunigst
wieder nach Hause.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.