so wie es von Jahr zu Jahr nach Sommern und Wintern darin
zugegangen ist, bis die Lakedämonier und ihre Bundesgenossen
der Herrschaft der Athener ein Ende machten und sich der langen
Mauern und des Peiraieus bemächtigten. Bis dahin dauerte der
Krieg im ganzen siebenundzwanzig Jahre. Wollte man die in der
Mitte liegenden Friedensjahre nicht als Kriegszeit ansehen, so
wäre das nicht richtig. Es genügt ein Blick auf die Ereignisse,
wie ich sie dargestellt, um sich zu überzeugen, daß man nicht
füglich von Frieden reden kann in einer Zeit, wo beide Teile
weder alles Herausgaben noch wiederbekamen, wie es in dem
Vertrage ausgemacht war, und sich außerdem im mautineishcen
und epidaurischen Kriege und auch sonst noch über ihn hinweg
setzten, die vorderthrakischen Bundesgenossen nach wie vor eine
feindliche Haltung behaupteten und die Böotier es bei einem
von zehn zu zehn Tagen verlängerten Waffenstillstände be
wenden ließen. Rechnet man aber den ersten zehnjährigen
Krieg, die darauf folgende kritische Friedenszeit und die späteren
Kriegsjahre zusammen, so kommen bis auf wenige Tage so viel
Jahre heraus, und das ist denn in der Tat auch das einzige,
was für Leute, die noch an Orakel glauben, wirklich ein
getroffen ist. Denn ich erinnere mich noch recht gut, wie von
Anfang bis zu Ende des Krieges vielfach prophezeit wurde,
er würde dreimal neun Jahre dauern. Ich habe den ganzen
Krieg miterlebt und während meiner besten Jahre die Er
eignisse aufmerksam genug verfolgt, um genau Bescheid zu
wissen. Dazu kam, daß ich nach der Zeit meines Oberbefehls
bei Amphipolis zwanzig Jahr außer Landes leben mußte und
Gelegenheit hatte, mir die Dinge hüben und drüben anzusehen,
infolge meiner Verbannung grade auch auf peloponnestscher
Seite, und mir um so eher ein unbefangenes Urteil darüber zu
bilden. Damit wende ich mich nun zu den Streitigkeiten nach
den zehn Jahren, dem Bruch des Friedens und den weiteren
Ereignissen des Krieges.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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