aber erst bis an die Mitte seines Heeres gelangt war, kamen
die Böotier, welche Pagondas hier nochmals kurz angesprochen
hatte, unter Schlachtgesang von der Höhe herab. Nun gingen
auch die Athener vor, und beide trafen im Lauftritt auf
einander. Die äußersten Flügel beider Heere konnten jedoch
in das Gefecht nicht eingreifen; aber dabei waren beide in
gleicher Verdammnis, denn hüben und drüben bildeten tiefe
Runsen ein unüberwindliches Hindernis. Auf der übrigen
Linie aber entspann sich ein heißer Kampf, und die Schilde
prallten aneinander. Auf dem linken Flügel und bis zur
Mitte wurden die Böotier von den Athenern besiegt, die hier
namentlich den Thespiern hart zusetzten; denn da deren
Nebenleute nicht standhielten, wurden sie rings umfaßt und
im Handgemenge gutenteils von ihnen niedergemacht. Aber
auch von den Athenern, die sich in der bei der Umfassung ent
standenen Verwirrung nicht erkannten, fielen manche unter den
Streichen ihrer eigenen Landsleute. Hier also wurden die
Böotier geschlagen und auf ihren noch fechtenden rechten Flügel
zurückgedrängt. Dieser aber, wo die Thebaner tsanden, war
den Athenern gegenüber im Vorteil und trieb sie, wenn auch
anfangs nur langsam, vor sich her. Nun aber schickte Pagondas
nach der Niederlage seines linken Flügels zwei Abteilungen
seiner Reiter aus dem Versteck um die Höhe herum, bei deren
plötzlichem Auftauchen auf dem siegreichen Flügel der Athener
eine Panik entstand, weil man glaubte, es sei ein zweites Heer
im Anzüge. So gerieten die Athener, hier infolge dieses blinden
Lärms, dort infolge des stürmischen Vordringens der Thebaner,
auf ihrer ganzen Linie in die Flucht. Zum Teil flohen sie
nach Delion und an die See, zum Teil nach Oropos, wieder
andere suchten Zuflucht im Parnesgebirge oder wo sie sonst
Sicherheit zu finden hofften. Die Böotier aber, namentlich
ihre und die lokrischen Reiter, welche grade in dem Augenblick
eintrafen, wo die Flucht einsetzte, hieben auf der Verfolgung
alles nieder, was ihnen vor die Klinge kam. Die Nacht machte
jedoch der Verfolgung ein Ende und erleichterte es der Masse
der Flüchtigen, mit dem Leben davonzukommen. Am folgenden
Tage wurden dann die nach Oropos und Delion Entkommenen
von hier, wo man eine Besatzung zurückließ und sich auch
weiter behauptete, zu Schiff nach Hause befördert.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.