bereits vollständig in seiner Gewalt hatte, ließ er den mit den
Athenern geflüchteten Toronern durch einen Herold sagen,
wenn sie wollten, könnten sie alle wieder nach Hause kommen
und unangefochten in der Stadt bleiben; zu den Athenern aber
schickte er einen Herold mit der Aufforderung, aus Lekythos,
das den Chalkidiern gehöre, unter Waffenstillstand mit Sack
und Pack abzuziehen. Die erklärten indessen, sie würden bleiben,
baten ihn jedoch, ihnen für einen Tag Waffenstillstand zu be
willigen, um ihre Toten abholen zu können. Er aber be
willigte ihnen zwei, die er dann dazu benutzte, um die Häuser
in der Nähe zu befestigen, wie das die Athener auf ihrer Seite
auch taten. Darauf berief er eine Versammlung der Toroner
und hielt ihnen eine Rede, ähnlich wie in Akanthos: Sie
dürften die Männer, die ihm zur Einnahme der Stadt die
Hand geboten, nicht für Schurken oder Verräter halten; denn
sie hätten das nicht getan, weil sie bestochen gewesen oder um
die Stadt in Knechtschaft zu bringen, sondern in der löblichen
Absicht, ihr zur Freiheit zu verhelfen; auch möchten sie nicht
glauben, daß die anderen, die das nicht mitgemacht, deshalb
schlechter behandelt werden würden; denn er sei nicht ge
kommen, um der Stadt oder deren Einwohnern was zuleide
zu tun. Deswegen habe er auch das Anerbieten an die zu den
Athenern Geflüchteten gerichtet, weil er sie trotz ihrer Vorliebe
für die Athener darum doch nicht für schlechtere Bürger halte.
Auch sei er überzeugt, wenn sie die Lakedämonier erst kennen
lernten, würden sie diese nicht minder, ja schon weil sie ehr
licher zu Werkes gingen, erst recht lieb gewinnen, und nur
weil sie sie noch nicht gekannt, hätten sie sich bisher vor ihnen
gefürchtet. Allen aber mache er es zur Pflicht, sich von nun
an als treue Bundesgenossen zu bewähren, dumme Streiche
würden ihnen in Zukunft nicht geschenkt werden. Bis jetzt
hätten sie selbst unter fremder Übermacht gelitten und sich
gegen die Lakedämonier nichts zuschulden kommen lassen, und
wäre das auch wirklich mal der Fall gewesen, so solle ihnen
das nicht aufs Kerbholz kommen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.