Schrecken, schon weil ihnen die Stadt für die Zufuhr von
Schiffsbauholz und der Steuern wegen von Wert war. Hatte
den Lakedämoniern auch bisher im Gebiet der Thessaler der
Weg zu ihren Bundesgenossen bis zum Strymon offen ge
standen, so konnten sie doch, solange sie nicht im Besitz der
Brücke waren, nickt weiter vorbringen; denn landeinwärts
bildete der Fluß auf eine weite Strecke einen großen See, und
auf der Seite nach Eion paßten ihnen die Kriegsschiffe auf;
jetzt aber würde ihnen daS ein leichtes sein. Auch fürchteten
sie, die Bundesgenossen würden von ihnen abfallen; denn
Brasidas trat in jeder Beziehung mit großer Mäßigung auf
und erklärte bei jeder Gelegenheit, daß er nur ausgesandt sei,
um Griechenland zu befreien. Und in der Tat wurden die
den Athenern untertänigen Städte, als sie von der Einnahme
von Amphipolis, den milden Bedingungen und seinem Wohl
wollen hörten, von einem wahren Freiheitstaumel ergriffen,
ließen ihn heimlich auffordern, zu ihnen zu kommen, und jede
wollte die erste sein, die sich von Athen lossagte. Sie hielten
das nämlich jetzt nicht weiter für gefährlich, wobei sie sich
freilich, wie sich später zeigen sollte, über die Macht der Athener
gewaltig täuschten. Aber so sind die Menschen, statt sich dir
Sache reiflich zu überlegen, lassen sie sich in der Regel von
unklaren Wünschen leiten, immer geneigt, bei dem, wonach
ihnen der Sinn steht, sich in blinden Hoffnungen zu wiegen,
während sie von Dingen, die ihnen unerwünscht sind, nichts
wissen wollen. Und da die Athener obendrein kürzlich in
Böotien geschlagen waren und Brasidas ihnen zwar wahrheits
widrig, aber doch sehr einleuchtend geschildert hatte, wie die
Athener es bei seinem Zuge nach Nisaia mit ihm allein nicht
aufzunehmen gewagt hätten, fühlten sie sich vollends sicher und
glaubten, niemand könne ihnen waS anhaben. Hauptsächlich
aber, weil ihnen die Sache in dem Augenblick angenehm war
und sie erst mal sehen wollten, was denn die Lakedämonier
könnten, scheuten sie sich nicht, leichtsinnig mit dem Feuer zu
spielen. Als die Athener davon hörten, sandten sie, soweit es
in der Eile und zur Winterszeit anging, Besatzungen in die
Städte; Brasidas aber schickte ebenfalls nach Lakedämon und
bat dringend um Verstärkungen, begann jedoch auch selbst am
Strymon mit dem Bau von Kriegsschiffen. Die Lakedämonier
aber taten ihm den Gefallen nicht, teils weil die ersten Männer
neidisch auf ihn waren, teils weil ihnen mehr daran tag, die
Gefangenen von der Insel wiederzubekommen und dem Kriege
ein Ende zu machen.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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