land seien sie die einzigen Böotier gewesen, die es nicht mit
ihnen gehalten, tun sich, darauf gewaltig viel zugute und wollen
uns damit schlecht machen. Gewiß, mit den Persern haben
sie es nicht gehalten, aber doch nur eben deshalb nicht, weil
es die Athener nicht taten, und so sind sie denn auch, als diese
nachmals ebenso mit den Griechen umsprangen, die einzigen
Böotier gewesen, die es mit den Athenern hielten. Nun müßt
ihr aber doch die Zustände berücksichtigen, unter denen wir
beide damals handelten. Bei uns bestand zu der Zeit weder
eine Oligarchie mit Rechtsgleichheit sIsonomie) noch eine Demo
kratie, überhaupt nichts weniger als eine ordentliche Ver
fassung, sondern eine Art von Tyrannis, ein Willkürregiment
weniger Männer, und diese haben damals, weil sie von einem
Siege der Perser die Befestigung ihrer Machtstellung hofften,
die Bevölkerung gewaltsam niedergehalten und die Perser ins
Land gerufen. Es geschah das also zu einer Zeit, wo die
Stadt nicht ihr eigener Herr war, und was hier in jener
gesetzlosen Zeit gesündigt worden ist, kann ihr nicht zur Last
gelegt werden. Man muß vielmehr die spätere Zeit, wo die
Perser abgezogen und wieder gesetzliche Zustände eingetreten
waren, in Betracht ziehen, als die Athener über Griechenland
herfielen und auch unser Land zu unterwerfen versuchten und es
infolge der bei uns herrschenden Parteikämpfe wirklich großen
teils schon unterworfen hatten. Damals haben wir sie bei
Koroneia besiegt und Böotien befreit, wie wir auch jetzt wieder
unser Bestes tun, um die übrigen befreien zu helfen, und dazu
Roß und Reisige stellen wie sonst keiner der Bundesgenossen.
So viel zur Rechtfertigung gegen den Vorwurf, daß wir es
mit den Persern gehalten.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.