so gut wie gar nicht vorkamen, und daß, wenn einem was
fehlte, immer diese Krankheit daraus wurde. Bei anderen,
bis dahin völlig Gesunden, stellte sich ohne jede äußere Ver
anlassung plötzlich große Hitze im Kopfe ein mit Röte und
Entzündung der Augen. Inwendig wurden Schlund und Zunge
gleich blutrot, der Atem widerlich und übelriechend, dazu kam
Niesen und Heiserkeit, und nach kurzer Zeit drang die Krank
heit in die Brust bei starkem Husten. Wenn sie sich auf den
Magen warf, kehrte sie ihn um, und es erfolgten alle Ent
leerungen der Galle, für welche die Ärzte einen Namen haben,
und zwar unter großen Schmerzen. Meist kam es dabei zu
einem leeren Würgen, verbunden mit heftigem Krampf, was
bei einigen bald vorüberging, bei anderen aber erst nach
längerer Zeit aufhörte. Äußerlich fühlte sich der Körper nicht
übermäßig warm an; er war nicht blaß, sondern etwas gerötet,
wie mit Blut unterlaufen, und überall mit kleinen Pusteln und
Geschwüren bedeckt. Inwendig aber war die Hitze so groß,
daß die Menschen es selbst in den leichtesten Kleidern und
unter dem feinsten Leinen nicht aushalten konnten, sondern sich
alles vom Leibe rissen und sich am liebsten in kaltes Wasser
gestürzt hätten, und viele, die sich selbst überlassen waren, taten
das auch und sprangen in die Brunnen, weil sie von unauf
hörlichem Durst gequält wurden, sie mochten trinken, so viel sie
wollten. Dazu litt der Kranke beständig an Unruhe und
Schlaflosigkeit. Auch wenn die Krankheit länger anhielt, ver
fiel der Körper dabei nicht, sondern zeigte sich unerwartet
widerstandsfähig, so daß die Kranken meist noch ziemlich bei
Kräften am neunten oder ; siebenten Tage an innerer Hitze
tsarben. Überstanden sie das aber, so warf sich die Krankheit
auf den Unterleib, es stellten sich Geschwüre und tsarker Durch
fall ein, und dann starben sie meist an Entkräftung. Denn
das Übel, das im Kopfe anfing, durchzog den ganzen Körper
von oben bis unten. Hatte einer das Schlimmste überstanden,
so zeigte sich das daran, daß die Krankheit die Extremitäten
ergriff; sie warf sich dann auf die Scham teile, auf Finger und
Zehen, so daß viele, die mit dem Leben davonkamen, diese
Körperteile, manche auch die Augen einbüßten. Einige hatten,
wenn sie die Krankheit überstanden, auch das Gedächtnis verloren
und kannten sich selbst und ihre Angehörigen nicht mehr.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.