seit ältester Zeit Sitte gewesen. Unter Kekrops und den ersten
Königen bis auf Theseus lebte man in Attika in einzelnen
Ortschaften, die ihre eigenen Prytanen und Archonten hatten.
Wenn nicht grade eine besondere Gefahr drohte, kam man
auch nicht beim Könige zu gemeinsamer Beratung zusammen,
sondern die einzelnen Gemeinden halfen und regierten sich selbst,
führten wohl gar mal Krieg untereinander, wie die Eleusinier
mit Eumolpos gegen Erechtheus. Als aber Theseus König
geworden war, der, ein ebenso kluger wie mächtiger Herr, über
haupt erst Ordnung im Lande schuf, machte er den Prytanen
und Archonten in den einzelnen Ortschaften ein Ende und ver
einigte diese zu der jetzigen einen Stadt mit nur einem Rat
und Prytaneum für alle. Er ließ ihnen zwar die selbständige
Verwaltung ihrer eigenen Angelegenheiten wie bisher, machte
sie aber politisch zu einem Gemeinwesen, das damit, weil ihm
nun alle angehörten, zu einer ansehnlichen Stadt wurde und
als solche von Theseus auf seine Nachfolger überging. Darum
feiern die Athener bis auf den heutigen Tag von Staats wegen
noch ihr Eingemeindungsfest zu Ehren der Göttin. Früher
bestand die Stadt nur aus der.Burg und dem südlich daran
stoßenden Stadtteil. Das kann man noch daran sehen, daß
die Tempel auch anderer Götter auf der Burg selbst oder doch
vorzugsweise in diesem Stadtteil liegen, so der Tempel des
olympischen Zeus, das Phythion, der Tempel der Ge und der !
des Dionysos im Brühl, dem zu Ehren am Zwölften des E
Monats Anthesterion die alten Dionysien gefeiert werden,
wie es auch bei den von den Athenern abstammenden Joniern
noch jetzt gehalten wird. In dieser Gegend liegen noch mehrere
andere alte Tempel. Auch die Quelle dort in der Nähe, welche,
seit sie von den Tyrannen in jetziger Weise gefaßt wurde,
Enneakrunos heißt, in älterer Zeit aber, wo sie noch ungefaßt
war, Kallirrhoe genannt wurde, stand vor alters in besonderem
Ansehen, und von der Zeit hat sich bis heute der Glaube er
halten, daß man bei Hochzeiten und dergleichen feierlichen Ge
legenheiten das Wasser aus dieser Quelle holen müsse. Und
eben, weil man sich hier zuerst angebaut hatte, wird die Burg
von den Athenern immer noch die Stadt genannt.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
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