gewesen, und doch war in ihm schon nach je zwei Schlachten
zu Lande und zur See die Entscheidung gekommen. Dieser
Krieg dagegen hat sehr lange gedauert, und Griechenland hat
in ihm Leiden durchgemacht wie nie zuvor in einer gleichen
Spanne Zeit. Niemals waren so viele Städte erobert und
zerstört, sei es durch Barbaren, sei es durch die kriegführenden
Mächte selbst - einige von ihnen wurden auch nach ihrer
Einnahme mit anderen Einwohnern besetzt -, niemals so viel
Menschen von Haus und Hof vertrieben und entweder durch
den Krieg selbst oder in Parteikämpfen ums Leben gekommen.
Dinge, von denen man bis dahin zwar wohl gehört, aber kaum
jemals selbst was erlebt hatte, waren jetzt an der Tagesordnung.
Gewaltige Erdbeben, die sich über einen großen Teil der Erde
erstreckten, Sonnenfinsternisse, welche häufiger eintraten, als
man sich dessen von früher erinnerte, Zeiten großer Dürre mit
Hungersnot im Gefolge, vor allem aber die furchtbare Pest,
welche die Menschen so massenhaft hinraffte, das alles stellte
sich in diesem Kriege miteinander ein. Den aber begannen
die Athener und die Peloponnesier mit dem Bruch des dreißig-
jährigen Friedens, den sie nach der Unterwerfung von Euboia
miteinander geschlossen hatten. Um von vornherein der Frage
zu begegnen, wie es in Griechenland zu einem so furchtbaren
Kriege kommen konnte, führe ich zuerst die Ursachen und die
Streitigkeiten an, welche den Bruch herbeiführten. Der eigent
liche Grund, so wenig von ihm die Rede gewesen ist, war
nach meiner Überzeugung die Furcht der Lakedämonier vor der
wachsenden Macht Athens, die sie zum Kriege trieb. Die
Gründe aber, worauf sich beide Teile für den Rücktritt vom
Vertrage und den Wiederbeginn des Krieges vor der Welt
beriefen, waren folgende.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Theodor Braun (Translator). Leipzig. 1917.
Sponsored by University of Leipzig.
Funding provided by European Social Fund Saxony.