Befestigung, welche auch kleine Pforten und Einlaßgänge für die
Feinde hatte, und gedachten mit derselben noch rechtzeitig fertig zu
werden. Anfangs nun ging jenes Gerede nur zwischen Wenigen hin
und her und mehr im Geheimen; als aber Phrynichos, von der
Gesandtschaft nach Sparta zurückgekehrt, von einem Manne aus der
Landwehr bei vollem Markte und nicht weit vom Rathhause, aus
dem er eben wegging, nach einem verabredeten Plane verwundet
wurde und augenblicklich den Geist aufgab, entkam zwar der Mörder
selbst, aber sein Mithelfer, ein Argiver, wurde ergriffen und auf
Befehl der Vierhundert auf die Folter gelegt. Er gab jedoch weder den
Namen eines Anstifters, noch sonst etwas an, sondern behauptete nur
zu wissen, daß in der Wohnung des Anführers der Landwehr und in
andern Häusern viele Leute Versammlungen zu halten pflegten.
Entscheidendes vornahmen, so gingen Theramenes und Aristokrates und wer
sonst von den Vierhundert oder von den Andern zu ihrer Partei
gehörte, bereits entschiedener an die That. Gleichzeitig waren nämlich
auch die Schiffe von Las herumgesegelt, hatten sich bei EpidauroS
vor Anker gelegt und bis vor Aegina gekreuzt, und Theramenes sagte:
wenn diese Schiffe nach Euböa segeln sollten, so habe eS doch keinen
Sinn, daß sie bis in die Bucht von Aegina hereinkämen und dann
wieder bei Epidauros vor Anker gingen, wenn sie nicht vielmehr eben
in der Absicht herbeigerufen seien, deren er jene immer beschuldige.
Da dürfe man jetzt nicht mehr ruhig zusehen. Endlich, nachdem
viele aufreizende und verdächtigende Reden gefallen, ging man an's
Werk. Die Schwerbewaffneten im Piräeus, welche an dem Bau
auf der Eetioneia arbeiteten, und unter denen auch Aristokrates als
Hauptmann und Anführer seiner Stammabtheilung sich befand,
ergriffen nämlich den AlexikleS, einen Feldherrn aus den Oligarchen,
der seinen Genossen sehr ergeben war, brachten ihn in ein HauS und
hielten ihn hier eingesperrt. Dabei half ihnen unter Andern auch 1 2 3 4
Hermon, Anführer der nach Munychia kommandirten Landwehr; und
was das wichtigste ist, der große Haufe der Schwerbewaffneten war
damit einverstanden. ' , "
zufällig Sitzung im Rathhaus — so waren sie mit Ausnahme derer,
welche mit dem Stand der Dinge unzufrieden waren, augenblicklich
bereit, zu den Waffen zu greifen, und stießen Drohungen aus gegen
den Theramenes und seine Genossen. Der aber wies die
Beschuldigungen von sich und erklärte: wie er dastehe, sei er ganz bereit, mit
ihnen zu gehen und den Alexikles befreien zu helfen. Er nahm auch
einen der Feldherren mit, der mit ihm einverstanden war,-und ging
nach dem Piräeus. Auch Aristarchos und junge Leute von den
Rittern eilten dahin. Es entstand nun ein großer und panischer
Schrecken; denn die in der Stadt glaubten, der Piräeus sei schön
besetzt und der Gefangene ermordet, und die im Piräeus meinten,
daß man aus der Stadt jeden Augenblick gegen sie anrücken werde.
Die älteren Leute indeß suchten die in der Stadt Umherläufenden
und zu den Waffen Eilenden zurückzuhalten, und auch der Pharsalier
Thukydides Staatsgastsreund der Athener, der grade anwesend war,
rief voller Eifer den Einzelnen, wie sie ihm grade in den Weg kamen,
zu, sie möchten doch nicht, während die Feinde in der Nähe lauerten,
ihre Vaterstadt selbst in's Verderben stürzen;- und so beruhigten sie
sich und ließen von einander ab. '
Feldherr — und schrie die Schwerbewaffneten laut an und thah als
ob er ihnen zürnte; Aristarchos aber und die Gegner (des Volks)
waren wirklich voll Zorn und Wuth. Doch der größte Theil der
Schwerbewaffneten trat zusammen wie zum Kampf und
zeigte'keineswegs Reue; und den Theramenes fragten sie, ob er denn glaube,
daß die Befestigung in guter Absicht erbaut worden sei, und ob es
nicht besser sei, sie niederzureißen. Da erklärte dieser: nun, wenn es
ihnen gut dünke, sie einzureißen, so sei er auch der Meinung. Und
nun erstiegen allsogleich die Schwerbewaffneten und viele von den
Leuten im Piräeus die Mauern und rissen sie nieder. Dem Volks-
Hausen rief man zu: wer wolle, daß die Fünftausend herrschten,
anstatt ter Vierhundert, der solle-nur mit Hand anlegen. Demnach
versteckte man sich hinter den Namen der Fünftausend, und wer die 5
Volksherrschaft wünschte, wagte es nicht geradezu herauszusagen, ans
Furcht, die Fünftausend könnten wirklich schon erwählt sein, und
man könne sich in Unkenntniß dessen leicht durch ein Wort verrathen
Die Vierhundert hatten aber grade eben deßwegen weder gewollt,
daß die Fünftausend erwählt würden, noch auch, daß es bekannt
werde, sie seien noch nicht gewählt, da sie die Einsetzung so vieler
Mitbeteiligten gradezu als eine Volksregierung betrachteten, und
auf der andern Seite die Gewißheit von ihrem NichtVorhandensein
unter den Bürgern Furcht erregen mußte.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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