da ja doch nur -eben diejenigen die Stadtregierung erhalten sollten;
welche die Verfassung umzustürzen wünschten. Gleichwohl wurde das
Volk, sowie auch der durch'S Bohnenloos erwählte Rath^), immer
noch versammelt. Es kam jedoch nicht nur Nichts zur Berathung,
außer was-den Verschwörern gefiel, sondern auch die auftretenden
Redner'gehörten nur dieser Partei an, und^es war bereits vorher
abgekartet, was sie vorbringen sollten. Von den Andern aber
widersprach bereits Niemand mehr, weil Jeder sich fürchtete; da ersah,
wie groß die Macht der Verschworenen-sei. Wenn aber ja Einer
zu widersprechen wagte, so wurde -er sofort auf geschickte Weise aus
dem'Wege geräumt, und den Thätern wurde weder nachgespürt) noch
auch fand Bestrafung Statt, wenn gegen Einen Verdacht vorlag;
und das Volk verhielt sich so ruhig und war so eingeschüchtert, daß
man es schon für Gewinn hielt; nur an der eigenen Person keine
Gewalt zu erleiden, wenn man 'auch-schweigen mußte. Da sie die
Zahl der Verschworenen überdieß noch-für viel größer hielten; als
sie wirklich war, so hätten sie um so mehr den Muth verloren.. Auch
war man bei der Größe der Stadt und wegen gegenseitiger
Unbekanntschast nicht im Stande, der Verschwörung genau auf den Grund
zu kommen, und eben deßhalb war es auch unmöglich, seine Besorg 1 2 3
nisse, por einemAndern auszuschütten, um sich dann der Angriffe
gemeinsam zu erwehren, denn entweder- wäre man.mit seiner
Mitthei-lung" an-einen Unbekannten gerathen, oder, wenn auch an einen
Bekannten, doch.vielleicht,-an einen Unzuverlässigen. - Denn Alle von
d^Volksparjei! behandelten sich-gegenseitig mit dem größten
Argwohn, als,.ob Jeder an dem betheiligt sein könne, was im Plan war.
Und in der That gab es auch viele Leute darunter > von denen
Niemand'je.vermuthet Hätte, daß-sie zur Oligarchie,übergehen°wnrden.
Und gerade solche erregten cunter der Menge daS größte gegenseitige
Mißtrauen und.verhalsen den Oligarchen am meisten zu ihrer
Sicherheit, indem sie. das gegenseitige Mißtrauen in der Volkspartei
unüberwindlich machten. - !. X ' c
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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