aber stand es so. Den Athenern waren sie geneigt, allein sie sürch- 1
teten, daß dieselben Sieilien sich wirklich unterwerfen wollten; mit
den Syrakusanern hingegen waren sie als Gränznachbarn von jeher
in Zwist, und sie fürchteten sich auch vor diesen, die sie'ganz in
nächster Nähe hatten, falls diese nämlich auch ohne ihre Hilfe den Sieg
davontragen sollten, weßhalb sie ihnen denn auch das erste Mal die
geringe Zahl Reiter zu Hilfe geschickt hatten; und so beschlossen sie
denn auch jetzt, fernerhin lieber die Syrakusaner durch thätige Hilfe
zu unterstützen, jedoch mit so geringer Macht, als es eben nur angehe;
— um aber auch den Athenern anscheinend nicht weniger gerecht zu
werden, zumal diese auch in der Schlacht gesiegt hatten, so wollten
sie in Worten beiden Theilen denselben Bescheid geben. Und wie
beschlossen, so ertheilten sie die Antwort; da beide Krieg führende
Theile ihre Bundesgenossen seien, so erachteten sie es ihren Eiden
gemäß, für jetzt keinem von beiden Hilfe zu leisten. So reisten denn
die Gesandten beider Theile wieder ab.
Athener aber lagerten bei Naxos und unterhandelten mit den Sikulern,
um deren möglichst viele aus ihre Seite zu bringen. Von denjenigen
Sikulern nun, welche mehr gegen die Ebene hin wohnten und
Unterthanen der Syrakusier waren, gingen nicht viele zu ihnen über;
dagegen hielten es die meisten Ortschaften derer im Binnenlande, die
auch vorher allezeit unabhängig geblieben waren, nur Wenige
ausgenommen, mit den Athenern und brachten Getreide für das Heer, und
zum Theil auch Geld. Gegen die nicht Uebergetretenen zogen die
Athener zu Feld und nöthigten auch Einige derselben zwangsweise,
es mit ihnen zu halten, bei Andern aber wurden sie von den
Syrakusanern, die Besatzungen und Hilfstruppen schickten,' daran
gehindert. Für den Winter aber gingen sie von Naxos zur See nach
Katana zurück, stellten-das von den Syrakusanern verbrannte Lager
wieder her und überwinterten daselbst. Auch schickten sie wegen eines
Freundschaftsbündnisses einen Dreiruderer nach Karthago, ob sie
vielleicht von dort Unterstützung erhalten könnten, und so auch Abgesandte
in das Tyrrhenische Land^), wo einige Städte sich freiwillig zur 2 3 4
Kriegshilfe erboten hatten. Auch unter den Sikulern schickten sie
Botschaft umher, und auch nach Egesta Gesandte, mit der
Aufforderung, ihnen möglichst viel Reiterei zu schicken, und zur Einschließung
von Syrakus durch Mauern bereiteten sie Backsteine und Eisen, und
was sonst Alles von Nöthen war, vor, um mit Frühlingsansang mit
Eifer an den Krieg zu gehen.
Lakedämon geschickt worden waren, suchten auch auf ihrer Fahrt an
den Küsten Italiens hin die dortigen Städte zu überreden, daß sie
doch den Unternehmungen der Athener nicht ruhig zusehen möchten,
da ja auch sie selbst in gleicher Weise dadurch bedroht seien; und
nachdem sie in Korinth angekommen waren, hielten sie daselbst ihren
Vortrag und verlangten, daß man der Stammverwandtschaft gemäß ihnen
zu Hilfe kommen solle. Und so beschlossen denn die Korinther zuerst
für sich und allsogleich, ihnen mit allem Eifer beizustehen, und gaben
den Syrakusiern auch ihrerseits Gesandte nach Lakedämon mit, um
auch diese überreden zu helfen, daß sie den Krieg gegen die Athener
im Lande selbst offen und entschieden betreiben und auch nach
Sieilien eine Hilfsmacht schicken möchten. Als diese Korinthischen
Gesandten nach Lakedämon kamen, war daselbst auch Alkibiades nebst
seinen Mitflüchtlingen anwesend, der damals von Thuria aus sofort
aus einem Lastschiffe zuerst nach Kyllene in Eleia und dann nach
Lakedämon gekommen war, und zwar auf besondere Einladung und
unter Ausbedingung persönlicher Sicherheit; denn er war nicht ohne
Besorgniß vor ihnen, wegen seiner Betheiligung an den Mantineischen
Ereignissen^). Und so traf es sich, daß in der Volksversammlung
der Lakedämonier, die Korinther und Syrakusaner und Alkibiades
zugleich dieselben Anträge stellten und die Lakedämonier zu überreden
suchten. Und da die Ephoren und Behörden nur die Absicht hatten,
Gesandte nach Syrakus zu schicken, um zu ermähnen, daß sie sich mit
den Athenern nicht gütlich abfinden möchten, hingegen nicht gewillt
waren, Hilfstruppen hinzusenden, so trat Alkibiades auf, um die La 5 6
tedämonier aufzureizen, und trieb mit folgenden Worten zum 7
Kriege:
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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