kleine Stadt war^), und daß die eine oder andere der damaligen
Ortschaften jetzt nicht mehr nennenswerth ist, schließen, jener Zug sei
nicht so bedeutend gewesen, wie die Dichter ihn schildern, und wie die
Sage von ihm annimmt, so würde diese Ungläubigkeit aus sehr
schwachen Gründen beruhen; denn nehmen wir den Fall, Lakedämon sei
zerstört worden, und Nichts davon übrig geblieben als die Tempel und
die Fundamente des Baurisses, so möchten wohl nach Verlauf längerer
Zeit spätere Geschlechter die Erzählung vom Ruhme der Lakedämonier
sehr, ungläubig aufnehmen, und doch besitzen sie zwei Fünftheile des
Peloponnes und haben die Oberleitung des Ganzen und vieler
auswärtigen Bundesgenossen 34). Nichtsdestoweniger möchte aber ihre
Stadt ziemlich ärmlich ershceinen, da sie weder zusammenhängend
gebaut ist, noch durch Tempel und kostspielige Anlagen sich auszeichnet,
sondern nach alter hellenischer Art des Städtebau's aus einzelnen
Dorsschasten zusammengesetzt ist^). Wenn hingegen dasselbe den
Athenern geschehen sollte, so müßte man nach dem, was von ihrer 4 5 6
Stadt zu sehen wäre, ihre Macht doppelt so groß schätzen, als sie in
der That ist. Man darf also hier nicht ungläubig sein und mehr
nach dem Aussehen der Städte, als nach der wirklichen Macht
urtheilen wollen, sondern wir müssen annehmen, daß jener Kriegszug
alle früheren an Großartigkeit übertroffen habe, hinter den jetzigen
aber allerdings zurückbleibe. Darf man der Schilderung Homer's
auch hierin Glauben schenken, obgleich es selbstverständlich ist, daß
er als Dichter die Dinge in's Größere und Schönere ausmalt, so
erscheint selbst unter dieser Voraussetzung der Zug ziemlich ärmlich.
Homer erzählt nämlich, daß von den zwölfhundert Schiffen die
Böotischen je hundert und zwanzig Mann führten, und die des Philoktet
je fünfzig ^), wodurch er, wie mir scheint, das größte und das kleinste
Maß anzeigen will; denn von der Bemannungsstärke der übrigen ist
im Verzeichnis; der Schiffe keine Rede. Daß aber die ganze
Bemannung der Schiffe Ruderer und streitbare Männer zugleich gewesen
sind, geht aus dem hervor, was er bei Gelegenheit der Schiffe des
Philoktet sagt, indem er nämlich alle Ruderer zu Bogenschützen macht.
Die Zahl der außerdem Mitschiffenden war aber wohl nicht sehr groß,
wenn man von den Königen nnd Kriegsbeamten absieht; denn sie
interna hmen ja die Seefahrt mit vielem Ballast von kriegerischem
Rüstzeug, und überdies führten ihre Schiffe kein Verdeck, sondern
waren nach Art der alten Seeräuberschiffe offen gebaut. Nimmt man
also das Mittel zwischen den größten und den kleinsten Schiffen, so
kommt für das ganze Heer keine eben sehr große Zahl heraus, in
Anbetracht daß ganz Hellas dasselbe gemeinsam stellte.
History of the Peloponnesian War. Thucydides. Adolf Wahrmund (Translator). Stuttgart. 1864.
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