Epidamnos ist eine Stadt, welche zur Rechten liegen
bleibt, wenn man in den Ionischen sadriatischen^ Meerbusen einfährt.
Sie ist rings von Taulantiern umwohnt, Barbaren Jllyrischer
Abkunft, und ist eine Pflanzstadt der Kerkyräer. Ihr Gründer war
Phalios, des Eratokleides Sohn, ein Korinther aus dem Stamm der
Herakliden, welcher der alten Sitte gemäß aus der Mutterstadt
berufen worden war 66). Es waren auch einige Korinther und Andere
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Dorischer Abkunft mit ausgewandert. Im Verlaufe der Zeit nun
wurde die Stadt der Epidamnier groß und volkreich; sie lebten aber
dann, wie erzählt wird, viele Jahre lang in inneren Zwistigkeiten
und erlitten in deren Folge durch einen Krieg mit den benachbarten
Barbaren große Verluste, und ihre Macht gerieth in Verfall. Zuletzt,
unmittelbar vor dem Beginn dieses Krieges, jagte das Volk die
Aristokraten aus der Stadt. Diese schlossen sich an die Barbaren an und
übten mit deren Hilfe an denen in der Stadt Räubereien zu Land
und zn Wasser. Da nun die in Epidamnos in die Enge geriethen,
so schickten sie Gesandte nach Kerkyra, ihrem Mutterstaat, mit der
Bitte, doch ihrem Verderben nicht zusehen zu wollen, sondern zwischen
ihnen und den Ausgetriebenen zu vermitteln und dem.Krieg mit den
Barbaren ein Ende zu machen. Dies Anliegen trugen sie sitzend im
Tempel der Hera als Schutzflehende vor ^); die Kerkyräer aber gaben
ihrer Bitte nicht Statt, sondern ließen sie nnverrichteter Sache wieder
abziehen.